Cold Cases Wie Ahnenforscher halfen, 15 alte Kriminalfälle zu lösen

Hausdurchsuchung beim mutmaßlichen "Golden State Killer". Ihm war die Polizei dank privater Ahnenforscher nach mehr als zwanzig Jahren auf die Spur gekommen.

(Foto: REUTERS)
  • 15 sogenannte Cold Cases haben amerikanische Polizisten laut einem Bericht der New York Times seit April mithilfe privater Ahnenforscher gelöst.
  • Die Fahnder nutzten dabei genetische Informationen, die Privatpersonen in die Datenbank von GEDmatch geladen haben.
  • Durch Verwandschaftsanalysen kamen Genetiker den Tätern teils nach mehr als 30 Jahren endlich auf die Spur.
Von Hanno Charisius

20 Jahre lang suchte die Polizei in Kalifornien vergeblich nach einem Mann, der seit dem Jahr 1996 mindestens zehn Frauen angegriffen und vergewaltigt hat. Bis zum vergangenen Monat hatten die Fahnder keine brauchbare Spur - aber schließlich eine Idee und nur zwei Stunden später einen Verdächtigen. Der daraufhin festgenommene Mann ist ein Sicherheitsspezialist der University of California in Berkeley.

Die New York Times berichtete über die spektakuläre Wende in dem alten Kriminalfall. Es ist nur einer von bislang 15 sogenannten Cold Cases, die seit April mithilfe einer neuen Methode gelöst werden konnten, heißt es in dem Bericht. Die Ermittler nutzen dabei eine Datenbank namens GEDmatch, in der private Ahnenforscher ihre Erbgutinformationen hinterlegen, um über genetische Ähnlichkeiten entfernte Verwandte zu finden oder etwas über ihre Herkunft zu lernen.

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Unter den Hunderttausenden hinterlegten genetischen Profilen suchten die Polizisten nach solchen, die dem Genmaterial ähneln, das an den früheren Tatorten sichergestellt worden war. So stießen die amerikanischen Ermittler in bislang mehr als einem Dutzend Fälle auf entfernte Verwandte der Täter, über die sie schließlich zu den Verdächtigen gelangten.

Im April wurde der erste Fall bekannt, den amerikanischen Behörden auf diese Weise gelöst haben. Ebenfalls in der genealogischen Datenbank GEDmatch waren die Ermittler auf ein Gen-Profil gestoßen, das dem des "Golden State Killer" genannten Serienmörders ähnelte, der in den 1970er- und 80er-Jahren mehr als zwölf Menschen umgebracht hatte.

Die späten Triumphe der Ermittler machen den Nutzern solcher Datenbanken allerdings auch schonungslos bewusst, dass sie nicht nur ihre eigenen Erbanlagen im Internet preisgegeben haben, sondern auch die ihrer Verwandten. Jeder trägt ein Gemisch der väterlichen und mütterlichen Gene in sich. Sogar entfernte Verwandte tragen ähnliche genetische Merkmale in ihren Zellen, anhand derer Genetiker Stammbäume über viele Generationen hinweg rekonstruieren können.

Wohl niemand beklagt, wenn auf diese Weise Schwerverbrecher ihre gerechte Strafe bekommen. Auch der 80-jährige Curtis Rogers, einer der GEDmatch-Gründer, war nur anfangs empört, als ihm klar wurde, zu welchem Zweck Ermittlungsbehörden seine Datenbank benutzen. Inzwischen sei er stolz darauf, sagte er der New York Times. Aber wer weiß, was sich in Zukunft noch aus den äußerst intimen Erbinformationen lesen lässt?

Erst in der vergangenen Woche veröffentlichten Computerwissenschaftler und Genetiker eine Schätzung im Fachblatt Science, wonach 60 Prozent der US-Amerikaner mit europäischen Wurzeln anhand jener Gen-Daten identifiziert werden können, die bereits in Archiven wie GEDmatch liegen. Statistisch gesehen reiche es aus, wenn etwa zwei Prozent einer ethnischen Gruppe ihr genetisches Profil preisgeben, um darin entfernte Verwandte für jeden in dieser Gruppe zu finden. Die Forscher rechnen deshalb damit, dass in ein paar Jahren sämtliche Amerikaner mit europäischen Vorfahren auf diese Weise identifizierbar sind, sobald irgendwo nur ein Fitzelchen Erbgut von ihnen herumliegt.

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