Raumfahrt Chinas Weg zur Rückseite des Mondes

Der Rover der chinesischen Mondsonde Chang'e 4, auf einem Bild der staatlichen chinesischen Verwaltung für Wissenschaft, Technologie und Industrie.

(Foto: dpa)
  • China schickt eine Sonde ins All, die auf der erdabgewandten Seite des Mondes landen soll.
  • Eine solche Landung ist nie zuvor geglückt.
  • Peking geht es mit dem Manöver nicht nur um die wissenschaftliche Erkundung des unbekannten Terrains, sondern auch ums nationale Prestige.
Von Alexander Stirn

Wer unbekannte Welten in den Tiefen des Alls erkunden will, muss gar nicht mal so weit fliegen. Direkt vor der irdischen Haustür, lediglich 380 000 Kilometer von der Erde entfernt, liegt einer der am wenigsten erforschten Orte des Sonnensystems: die Rückseite des Mondes. Da der Erdtrabant der Menschheit stets dieselbe Seite zuwendet - hervorgerufen durch ein Phänomen, das Astronomen gebundene Rotation nennen -, konnte bislang kein irdisches Teleskop die Rückseite des Mondes erspähen. Und auch keiner Raumsonde ist es gelungen, dort sanft aufzusetzen. Genau das will China nun ändern - mit der ersten robotischen Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes.

Chang'e 4 heißt die Mission, die voraussichtlich am heutigen Freitagabend (MEZ) vom Startplatz Xichang im Südwesten Chinas abheben soll. Klappt alles wie geplant, dann könnte die etwa 1,2 Tonnen schwere Landesonde bereits Ende des Monats, spätestens aber Anfang 2019 im Südpol-Aitken-Becken aufsetzen, einem bis zu 13 Kilometer tiefen Einschlagkrater unweit des lunaren Südpols. Wenig später soll dann ein kleiner nur 140 Kilogramm schwerer Roboter, der zuvor auf Chang'e 4 geparkt war, in den Mondstaub rollen und mit seinen Instrumenten die Umgebung erkunden.

Für die chinesischen Ingenieure ist all das im Grunde nichts Neues. Vor fünf Jahren haben sie die Technik und die Abläufe bereits ausführlich testen können - allerdings auf der erdzugewandten Seite des Mondes. Am 14. Dezember 2013 setzte dort die weitgehend baugleiche Vorgängermission Chang'e 3 auf; es war die erste sanfte Landung auf dem Erdtrabanten seit 37 Jahren. Auch damals parkte ein rollender Roboter, ein sogenannter Rover, auf der Sonde: Yutu, der Jadehase. Er hielt allerdings nur 114 Meter durch, dann blieb er stecken. Vermutlich hatte der extrem feine und aggressive Mondstaub der Mechanik zugesetzt.

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Man habe die Zuverlässigkeit des Rovers durch "kleine, gezielte Verbesserungen" inzwischen deutlich erhöhen können, sagte Li Ming, Vizepräsident der chinesischen Akademie für Raumfahrttechnologie, beim Internationalen Astronautischen Kongress IAC Anfang Oktober in Bremen. Details wollte Li allerdings nicht nennen.

Die große Herausforderung liegt ohnehin woanders. Da die Rückseite des Mondes von der Erde nicht eingesehen werden kann, können auch keine Signale direkt zur Sonde geschickt oder von ihr empfangen werden. Chinas Raumfahrer sind somit auf eine Relaisstation angewiesen. Sie haben dazu bereits im Mai einen Satelliten im sogenannten zweiten Lagrangepunkt stationiert - einem Fixpunkt mehr als 60 000 Kilometer hinter dem Mond, wo sowohl dessen Rückseite als auch die Erde ständig im Blickfeld bleiben.

Queqiao heißt die hochfliegende Vermittlungsstelle, die "Elstern-Brücke" - inspiriert von einem chinesischen Märchen, in dem zwei Liebende nur durch eine Brücke, geformt von Elstern, zueinander finden können. Nun soll Queqiao mit seiner vier Meter großen Parabolantenne die irdischen Ingenieure und Chang'e 4, auf Deutsch "die Mondgöttin", zusammenbringen.