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Chinesische Raumfahrt:Raketentrümmer sind ins offene Meer gestürzt

Start der chinesischen Raumstation

Das Kernmodul der chinesischen Raumstation "Tianhe" auf der Rakete von Typ Langer Marsch 5B-Y2e in der Hainan Provinz.

(Foto: Guo Wenbin/dpa)

Experten hatten befürchtet, die Überreste der Oberstufe einer Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" könnten in bewohnten Gebieten einschlagen.

Die Befürchtung eines zerstörerischen Trümmerregens über bewohntem Gebiet hat sich nicht bestätigt: Die Überreste einer für den Bau der ersten chinesischen Raumstation genutzten Rakete sind zwischen der Arabischen Halbinsel und Indien ins offene Meer gestürzt. Das meldeten chinesische Staatsmedien am Sonntagmorgen. Demnach verbrannten die meisten Überreste des 18 Tonnen schweren Flugkörpers beim Eintritt in die Atmosphäre, die restlichen Trümmer seien in den Indischen Ozean gefallen.

Die Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" hatte am 29. April das 22 Tonnen schwere Modul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) ins All gebracht, das den Hauptteil der chinesischen Raumstation bilden soll. Ein großer Erfolg für das chinesische Weltraumprogramm, der in den Staatsmedien entsprechend gefeiert wurde. Über den gescheiterten Wiedereintritt schwiegen sich die chinesischen Behörden dagegen bislang aus.

Im Mai 2020 waren Trümmer des neuen Raketentyps in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen

Experten hatten davor gewarnt, dass die Trümmer am Wochenende "unkontrolliert" in die Atmosphäre eintreten könnten - schließlich sei die Rakete nicht dafür gebaut, durch Triebwerke so gesteuert zu werden, dass sie gezielt über einem unbewohnten Gebiet oder dem Meer in die Atmosphäre gelangt. Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) sprach vom "schwersten unkontrollierten Wiedereintritt" seit mehr als 20 Jahren. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa warf China mangelnde Transparenz vor. China erfülle nicht die Standards für Raumfahrtnationen, die Risiken auf der Erde bei Wiedereintritten von Weltraumobjekten in die Atmosphäre zu minimieren. Die chinesische Zeitung Global Times hatte die Bedenken als "westlichen Hype" zurückgewiesen.

Ursprünglich sollte die Raketenoberstufe so manövriert werden, dass sie kontrolliert zur Erde zurückkehrt. Dabei muss jedoch etwas schiefgegangen sein. Experten hatten deshalb vor einem ähnlichen Ausgang wie im Mai 2020 gewarnt: Damals waren nach dem ersten Flug des neuen Raketentyps Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten lokalen Berichten zufolge Häuser beschädigt.

Normalerweise seien solche Raketenstufen nicht dafür ausgelegt, überhaupt in eine Umlaufbahn um die Erde zu gelangen, berichtete Marlon Sorge vom Zentrum für Wiedereintritt-Studien (CORDS) der Aerospace Corporation in Kalifornien. Vielmehr sei ihre Flugbahn gewöhnlich so geplant, dass sie nach dem Start in ein sicheres Absturzgebiet fallen - also etwa ins Meer. Wenn eine Rakete im Orbit sei, müsse ein sogenanntes Deorbit-Manöver vorgenommen werden, bei dem Triebwerke genutzt würden, um den Wiedereintrittspunkt kontrolliert zu wählen.

© SZ/dpa/biaz/vwu
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Long March-5B Y2 rocket, carrying the core module of China's space station Tianhe, takes off from Wenchang

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Die Oberstufe einer Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" wird in den nächsten Tagen ungesteuert in die Atmosphäre eintreten. Könnten Trümmerteile auf der Erde einschlagen?

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