USA Kiffen in der Legalität

Wer kifft, der knabbert gerne – weil das Gehirn suggeriert, er habe Hunger, auch wenn er satt ist.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Nach der Legalisierung von Cannabis konsumieren Jugendliche in den USA nicht mehr Gras als früher - sondern womöglich sogar weniger.

Von Berit Uhlmann

Zehn US-Staaten haben bisher Marihuana als Freizeitdroge legalisiert, mehr als 30 Bundesstaaten haben Cannabis für medizinische Anwendungen erlaubt. Seither treibt Experten dort besonders eine Sorge um: Verführt die Neubewertung der Droge mehr Jugendliche zum Konsum? Schließlich kann Kiffen die Hirnfunktionen von Heranwachsenden besonders empfindlich stören.

US-Wissenschaftler geben nun im Fachblatt Jama Pediatrics vorsichtige Entwarnung. Sie haben Antworten ausgewertet, die Jugendliche im Laufe von mehr als 20 Jahren auf die Frage nach ihrem Drogenkonsum gaben. Daten von mehr als 1,4 Millionen High-School-Schülern flossen in die Analyse ein. Die Antworten der Neunt- bis Zwölfklässler sprechen dafür, dass der Politikwechsel in den betroffenen US-Staaten den Griff zum Joint nicht wesentlich beeinflusste. Die Kids gaben nach der Zulassung von medizinischem Cannabis die gleichen Antworten wie zuvor.

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Die Legalisierung von Gras als Freizeitdroge scheint den Konsum gar leicht gesenkt zu haben. Das galt gleichermaßen für Gelegenheits-Kiffen als auch für den häufigen Konsum - definiert als mindestens zehn Cannabis-Erfahrungen innerhalb von 30 Tagen.

Bereits eine vorangegangene Studie aus dem Bundesstaat Washington war zu dem Schluss gekommen, dass der Cannabis-Konsum nach der kompletten Legalisierung sank. 7,3 Prozent der Achtklässler gaben nun an, im zurückliegenden Monat mindestens einmal zu einem Cannabis-Produkt gegriffen zu haben. Vor der Legalisierung waren es 9,8 Prozent. Der Konsum der Zehntklässler sank im gleichen Zeitraum von 19,8 auf 17,8 Prozent.

Ein Grund könnte den Autoren zufolge sein, dass die Legalisierung den Schwarzhandel - und damit die Bezugsquellen der Minderjährigen - reduzierte. Das letzte Wort ist in der Frage aber noch nicht gesprochen. Zum einen sind Umfragen notorisch unsicher, zum anderen widersprechen sich bisherige Erkenntnisse teilweise: Eine weitere Studie aus dem Staat Washington stellte den Trend zu weniger Cannabis nicht fest.

Die Studie wurde von den staatlichen National Institutes of Health unterstützt. Einer der Autoren erhielt Unterstützung durch die industrienahe Charles Koch Foundation.

Wo Cannabis erlaubt ist

Was den Umgang mit Cannabis betrifft, variieren nicht nur die Gesetze der einzelnen Länder stark, sondern auch die Strenge, mit der ihre Einhaltung kontrolliert wird. Für ihre Großzügigkeit sind folgende Länder bekannt:

Kanada: Erwachsene dürfen seit 2018 bis zu 30 Gramm Marihuana oder eine entsprechende Menge eines anderen Cannabis-Produktes bei sich tragen und mit anderen teilen. Essbare Produkte sind wegen des komplizierten Lebensmittelrechts noch nicht auf dem Markt. Verkauft wird Cannabis - je nach Bundesstaat - in privat oder staatlich betriebenen Läden, in Alkoholhandlungen oder auch über das Internet. Werbung ist begrenzt, das Gesetz bietet aber Schlupflöcher, warnen Mediziner. Jeder Haushalt darf zudem bis zu vier Hanfpflanzen anbauen.

Uruguay: Erwachsene dürfen entweder bis zu sechs Hanfpflanzen anbauen oder sich in einer Apotheke oder einem Cannabis-Klub registrieren, wo sie begrenzte Mengen der Droge erwerben können. Werbung ist verboten. Der Staat hat die Kontrolle über Anbau, Preis und Qualität des Stoffs sowie über die Zulassung der Klubs und Apotheken. Obwohl das Gesetz bereits 2013 verabschiedet wurde, läuft der Aufbau der Ausgabestellen nach wie vor schleppend.

USA: Auf Bundesebene ist Cannabis verboten und noch immer als Droge der höchsten Gefährdungsklasse eingestuft. Es steht damit auf einer Stufe mit Heroin oder LSD. 2012 legalisierten Colorado und Washington Cannabis dennoch als Freizeitdroge. Seither folgten Alaska, Kalifornien, Maine, Massachusetts, Michigan, Nevada, Oregon und Vermont. Die Regelungen unterscheiden sich von Staat zu Staat. 13 weitere Staaten haben den Besitz kleinerer Mengen entkriminalisiert.

Niederlande: Cannabis ist illegal. Allerdings betreibt das Land seit Jahrzehnten eine Toleranzpolitik, die den Betrieb von Coffeeshops ermöglicht. Die Lokale dürfen unter strengen Auflagen bis zu fünf Gramm Cannabis pro Person und Tag verkaufen. Auch außerhalb dieser Einrichtungen werden Besitzer kleinerer Mengen Cannabis nicht bestraft.

Portugal: Seit 2001 macht sich nicht mehr strafbar, wer Drogen in kleineren Mengen besitzt und konsumiert. Das gilt für alle vormals illegalen Substanzen. Der Handel mit Drogen ist jedoch verboten. Berit Uhlmann