bedeckt München 17°
vgwortpixel

Bücher über Magie:Wie man mit Geistern spricht

Bücher über Magie

"To Speak with Spirits" - Beschwörungen im "Book of Magical Charms" aus dem 17. Jahrhundert.

(Foto: The Newberry Library, Chicago)
  • Bis in die Neuzeit wurden Manuskripte mit Zaubersprüchen und Formeln zur Beschwörung von Dämonen verbreitet.
  • Die Newberry Library in Chicago bittet nun die Öffentlichkeit um Unterstützung: Laien sind aufgerufen, sich an der Abschrift und Übersetzung mehrerer Werke zu beteiligen und zu helfen, die Quellen zu identifizieren.

Die Newberry Library in Chicago bittet um Mithilfe: Wer immer Zeit und Lust hat und sich außerdem für Zauberei und Rätselhaftes aus dem 17. Jahrhundert interessiert, der möge helfen, Texte zu Magie und Religion zu entziffern. Manches muss auch aus dem Lateinischen ins Englische übersetzt werden. Hilfreich wäre auch, für manche Stellen die ursprüngliche Quelle zu identifizieren.

Auf der Seite "Transcribing Faith" hat die Bibliothek drei handschriftlich verfasste Bücher veröffentlicht: Das erste ist das "Book of Magical Charms" mit Anleitungen zu magischen Praktiken. Wer etwa wissen möchte, wie man mit Geistern spricht und Tote beschwört, wie sich mit dem Zahn einer Leiche Zahnschmerz lindern lassen, wie man Engel dazu bringt, einem im Schlaf Geheimnisse zu verraten, oder wie man beim Würfeln und Wettschießen auf magische Weise gewinnt, kann hier nachlesen, wie das geht.

Wer die Sprüche und Symbole notiert hat, ist unbekannt. Nur dass es zwei unterschiedliche Personen waren, ist an den Handschriften zu erkennen. Außerem muss das Buch nach 1612 entstanden sein, da ein anderes Werk erwähnt wird, das aus diesem Jahr stammt. Aus einem beiligenden Brief geht hervor, dass das Manuskript ursprünglich einem Richard Grosvenor gehörte. Dessen Identität ist unklar - theoretisch denkbar wäre, dass es sich um den englischen Baronet, Sheriff und Bürgermeister von Chester handelte (gestorben 1645/46), dessen Sohn John später nach Massachussetts auswanderte.

Bücher zur Magie

Ein "magischer Kreis" aus dem "Book of Magical Charms". Wer sich noch an die britische Serie "Catweazle" erinnert (Zitat: "Salmay Dalmay Adonay"), findet hier vertraute Namen.

(Foto: The Newberry Library, Chicago)

Das zweite Werk ist das "Commonplace Book", in dem es um religiöse und moralische Themen geht, das aber auch rätselhafte historische Ereignisse beschreibt oder Zusammenhänge herstellt zwischen Philosophen, Göttern, Helden antiker Mythen, Sternen, Tieren und Farben. Das Buch weist völlig verschiedene Textformen auf, von Zitaten aus Werken früher christlicher Autoren bis zu knappen Notizen und einfachen Listen. Manches weist auf reale Ereignisse hin, anderes lässt sich nicht zuordnen. Was etwa hat es mit der Hochzeit eines bayerischen Herzogs - oder dessen Sohnes - auf sich, bei der ein Pferd in niederländischer Kleidung auftauchte?

Der erste Teil des Manuskripts stammt der Bibliothek zufolge möglicherweise bereits aus dem 16. Jahrhundert, weitere Teile wurden danach von verschiedenen, unbekannten Autoren hinzugefügt.

Im dritten Dokument, "Cases of Conscience Concerning Witchcraft" geht es um die berühmten Hexenprozesse von Salem in den Jahren 1692/93. Ausgehend von der angeblichen Besessenheit zweier junger Fauen durch den Teufel wurden damals etliche Frauen als Hexen beschuldigt, einige Männer als ihre Helfer. 20 Menschen wurden hingerichtet.

Das Manuskript ist offenbar Teil der Vorlage eines Buches des puritanischen Pfarrers Increase Mather, der die Gerichtsverhandlungen in Salem für den Gouverneur von Massachusetts Bay beobachtete. In seinem Buch "Cases of Conscience Concerning Evil Spirits" verteidigte er 1692 zwar das Vorgehen der Richter, kritisierte jedoch die Interpretation von Wahnvorstellungen und Träumen als Hinweise auf Hexerei.

In dem jetzt veröffentlichten Manuskript sind Anmerkungen und Korrekturen des Autors selbst enthalten - auch sein berühmter Satz: "Es ist besser, wenn zehn der Hexerei Verdächtigte entkommen können, als dass eine unschuldige Person verurteilt wird." (Seite 60 des Manuskripts.)

Das "Transcribing Faith"-Projekt begleitet die Ausstellung der Newberry Library "Religious Change 1450 - 1700", die dokumentiert, wie die Reformation, der Buchdruck und die sich entwickelnde moderne Wissenschaft die Religion beeinflussten.

Bücher zur Magie

Rätselhaftes im "Commonplace Book". Hier heißt es unter anderem: "At Duk of Bavaryas sonnes marriage a horse was brought in in dutch apparrell. Bulls cannot abide red apparell nor Elephantis white." Geht es hier um einen bayrischen Fürsten, eine Hochzeit und ein Pferd in niederländischer Kleidung? Stiere jedenfalls halten keine rote Kleidung aus, Elefanten keine weiße.

(Foto: The Newberry Library, Chicago)

Bei den ins Netz gestellten Werken handele es sich um seltene Manuskripte, die Passagen enthalten könnten, die sonst nirgendwo zu finden sind, erklärt Christ Fletcher, Koordinator des Projekts, auf Atlas Obscura. Mittels "Crowdsourcing", also dem Einbinden von Laien, hofft die Bibliothek nun, neue Erkenntnisse über die Dokumente zu gewinnen.

Und es wird bereits intensiv daran gearbeitet. Beteiligt sind ernsthafte Hobby-Experten wie Joseph H. Peterson, der bereits mehrere Bücher über magische Literatur der vergangenen Jahrhunderte veröffentlicht hat. Für das "Book of Magical Charms" etwa hat er schon gezeigt, dass es Teile des sogenannten "Schlüssel des Salomon" (Clavicula Salomonis) enthält, ein vermutlich aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammendes Zauberbuch.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite