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Brennende Kohleflöze:Feuer unter der Erde

Jahrelang kämpfte das "Xinjiang Coalfield Firefighting Project Office" gegen die Feuer. Arbeiter mussten regelrecht Berge versetzen. Mit Sprengungen und Baggern wurden Brandherde ausgeräumt. Dann bohrten Ingenieure perforierte Rohre in den Boden, in die sie Wasser pumpten, um Hitze aus dem Untergrund abzuleiten. Schließlich wurde dem Feuer die Sauerstoffzufuhr abgeschnitten. Bagger warfen massenhaft Sand und Erde auf die offenen Erdspalten.

Waren die jüngsten Erfolge der Durchbruch im Kampf gegen Chinas Feuergeschwüre? Nein, meinen Maohua Zhong und Tairan Fu von der Chinesischen Akademie für Sicherheitstechnologie in Peking. Sie befürchten, dass die Brände wieder aufflammen könnten.

Die Maßnahmen der Behörden seien zu lasch: "Die chinesische Regierung sollte unkontrollierten Bergbau verbieten", schreiben die Experten nun im Wissenschaftsmagazin Nature (Bd.451, S.16, 2008). Zudem müssten Überwachungsanlagen installiert werden, um neue Brandherde umgehend ersticken zu können.

Deutsche Experten sind an der Entwicklung solcher Systeme beteiligt. Satelliten, Infrarotkameras und Stechsonden etwa sollen bedrohliche Hitzeareale im Untergrund orten, Sensoren die elektrische Leitfähigkeit des Bodens messen, um die Ausbreitung eines Feuers unter der Erde nachzuvollziehen. "Doch die Messungen nutzen wenig, solange nicht verstanden ist, auf welche Weise die Feuer fortschreiten", sagt Stefan Voigt.

Die deutschen Forscher entwickeln Computermodelle, die das Ausbreiten von Kohlebränden simulieren sollen. Die Rechnungen könnten ein bedeutendes Rätsel lösen: Wie viel Treibhausgas setzen die Kohlebrände tatsächlich frei? "Die Menge hängt beispielsweise davon ab, wie effizient die Kohle verbrennt und wie sich Temperaturen und Kohleschichten in der Tiefe verändern", sagt Fischer.

Auch für den geplanten weltweiten CO2-Handel dürften die Modellierungen von großem Wert sein. Unternehmen sollen mit dem CO2-Handel gezwungen werden, das Treibhausgas einzusparen.

Für manche Firmen könnte es sich lohnen, ihre CO2-Bilanz aufzubessern, indem sie Kohlebrände in China löschen, meint Voigt. "Das kostet in manchen Fällen vermutlich weniger als die CO2-Reduktion in deutschen Betrieben." Auf diese Weise gewännen beide Seiten: deutsche Unternehmen, weil sie Geld sparen, und China, weil seine Kohleressourcen nicht weiter abbrennen.

Ein Panzer über die Glut

Der Kampf gegen das Feuer ist in China jedoch besonders kompliziert, weil das Land nicht über moderne Löschtechnologie verfügt. In den USA etwa pumpen Arbeiter selbsthärtenden Schaum in die Erde, der sich wie ein Panzer um die Glut legt und sie erstickt. Doch der Löschschaum ist teuer.

Deutsche Ingenieure von der Technischen Universität Freiberg entwickelten derzeit eine kostengünstige Variante, berichtet Fischer. Sie verwendeten dafür Flugasche, die in chinesischen Kohlekraftwerken zuhauf anfällt. In Verbindung mit einer Kunststoffpaste soll ein Schaum entstehen, der die riesigen Kohlefeuer unter der Erde besiegen soll.