Süddeutsche Zeitung

Botanik:Wie der Nieswurz lockt

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Dass es bei der Sache mit den Hummeln und den Blüten heiß hergehen kann, haben spanische Biologen nun gemessen.

Die frostharte Pflanze Stinkender Nieswurz kann mit Hilfe von Hefe heizen. Die Hefe verarbeite Zucker aus dem Nektar, wodurch Wärme entstehe, schreiben spanische Biologen in den Proceedings der britischen Royal Society (online vorab). Durch die Wärme würden womöglich mehr Hummeln angelockt. Sie wirke sich somit positiv auf die Bestäubung, das Wachstum des Nieswurzes und die Samenbildung aus.

Je mehr Hefe im Nektar enthalten sei, desto größer sei der Temperaturunterschied im Vergleich zur Außentemperatur. Im Maximum war es im Nektargefäß sogar sechs Grad Celsius wärmer als außerhalb davon.

Carlos M. Herrera und Kollegen von der Biologischen Station Doñana in Sevilla nutzten für ihre Versuche Stinkenden Nieswurz ( Helleborus foetidus) an zwei Orten in einer gebirgigen Region Spaniens. Das giftige und unangenehm riechende Staudengewächs wuchs dort im Unterholz von Schwarzkiefern.

Die Forscher entfernten in einem der Experimente die Hefe im Nektar der Gewächse, während sie im zweiten Versuch extra Hefe in den Pflanzennektar hineinspritzten. Dann maßen sie die Temperatur im Nektar und verglichen sie mit der Außentemperatur. Im Durchschnitt war es durch den Hefe-Ofen im Innern des Nieswurzes an einem Ort 1,1 Grad, am zweiten Ort 1,8 Grad wärmer als in der Umgebung.

Bislang waren den Angaben zufolge zwei Mechanismen bekannt, mit dem Pflanzen Wärme erzeugen können: durch Prozesse bei der Zellatmung oder die Absorption von Sonnenlicht. Durch die Hefe könnten Pflanzen in schattigen Wäldern einen Vorteil haben, vermuten Herrera und Kollegen. Hummeln würden wärmere Pflanzen bevorzugen und sich so zu diesen hingezogen fühlen. Allerdings verbrauche die Hefe im Nektar so viel Zucker, dass dieser weniger süß sei und die Hummel gegebenenfalls vertreibe. Die genaue Bedeutung des Hefe-Ofens müsse noch weiter erforscht werden.

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dpa/beu
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