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Botanik:Bio-Tresore können ein Drittel der gefährdeten Pflanzen nicht retten

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Exemplare einer Samenbank in Berlin: Überall auf der Welt wird Saatgut eingelagert.

(Foto: Getty Images)
  • Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 75 Prozent der bedrohten Pflanzenarten gesichert sein, so sieht es ein internationales Umweltabkommen vor.
  • Dazu werden an vielen Orten Biobanken eingerichtet.
  • Doch die gängige Methode der Einlagerung schadet den Samen, warnen Forscher jetzt.

Überall auf der Welt bauen Wissenschaftler derzeit Bio-Tresore auf, in denen sie unter anderem die Samen von Pflanzen einlagern. Ziel dieser Projekte ist es, so viele Arten wie möglich vor dem Aussterben zu retten und für die Nachwelt zu erhalten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn weltweit verschwinden Arten in einem derart rasanten Tempo, dass die Biologen mit ihrer Arche-Noah-Aktion kaum nachkommen. Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 75 Prozent der bedrohten Pflanzenarten gesichert sein, so sieht es ein internationales Umweltabkommen vor.

Eine gerade in der Fachzeitschrift Nature Plants veröffentlichte Untersuchung verpasst diesen Bemühungen jetzt einen zusätzlichen Dämpfer. Drei Wissenschaftler der Königlichen Botanischen Gärten von Kew im Südwesten von London berichten, dass viele Pflanzen, darunter 36 Prozent der als stark gefährdet eingestuften Arten und 33 Prozent aller Bäume gar nicht gerettet werden können. Zumindest nicht mit der derzeit gängigen Methode, bei der die Samen zuerst getrocknet und dann bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden. Die Samen dieser Pflanzen können nämlich nicht mehr auskeimen, wenn man sie trocknet.

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Schätzungen zufolge haben etwa acht Prozent aller Pflanzenarten weltweit solche trocknungsempfindlichen Samen. Besonders hoch ist der Anteil in den tropischen Regenwäldern, wo wahrscheinlich die Hälfte aller Bäume betroffen ist. Doch auch viele europäische Baumarten fallen in diese Kategorie, darunter Eichen, Rosskastanien und Süßkastanien. Auch Pflanzen, die für die Ernährung der Menschen wichtig sind, gehören dazu: Avocados zum Beispiel, Mangos und Kakao. Die meisten Getreidekörner keimen nach der Trocknungsprozedur hingegen problemlos wieder aus.

Doch die Zahl der Arten, die diese Methode nicht vertragen, ist der aktuellen Untersuchung zufolge viel höher als bisher vermutet. "Das Ziel, 75 Prozent der Pflanzenspezies bis zum Jahr 2020 zu sichern, ist so nicht zu erreichen", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung. Sie plädieren dafür, Alternativen zu entwickeln, mit denen auch die Samen trocknungsempfindlicher Pflanzen haltbar werden können. Eine Möglichkeit wäre nach Ansicht der drei Kew-Botaniker die sogenannte Kryokonservierung. Bei dieser Methode wird zunächst der Pflanzenembryo aus dem Samen entnommen und dann bei minus 196 Grad Celsius in Flüssigstickstoff eingefroren.

Weltweit gibt es bisher etwa 1400 Bio-Tresore für die Samen von Pflanzen

Die Autoren der Studie wollen die Kryokonservierung in ihrer eigenen Samenbank, der Millenium Seed Bank in Wakehurst Place, die zu den Königlichen Botanischen Gärten von Kew gehört, testen und so weiterentwickeln, dass sie überall auf der Welt eingesetzt werden kann. Die Konservierung in Flüssigstickstoff ist zwar viel aufwendiger als die bisher übliche Trocknung und Lagerung bei minus 20 Grad Celsius, hat aber noch einen weiteren Vorteil. Bei minus 196 Grad Celsius verlängert sich nämlich die Lebensdauer der meisten Samen, auch solcher, die problemlos getrocknet werden können.

Weltweit gibt es derzeit etwa 1400 Bio-Tresore, in denen die Samen von Pflanzen aufbewahrt werden. Die bekannteste neben der Millenium Seed Bank in Wakehurst ist der Global Seed Vault auf Spitzbergen, etwa 1300 Kilometer vom Nordpol entfernt. Als der Speicher vor gut zehn Jahren in Betrieb genommen wurde, dachte man, wegen der konstant kalten Temperatur im Permafrost den absolut sicheren Ort gefunden zu haben. Mittlerweile ist aber klar, dass wegen des Klimawandels sogar der Permafrost auftaut.

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