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Bisphenol A:Schleichendes Gift

Viele Lebensmittelverpackungen enthalten Bisphenol A. Nun warnen Wissenschaftler, dass Herz- und Kreislaufkrankheiten sowie Diabetes häufiger bei Menschen auftreten, die dem Stoff ausgesetzt sind.

In der bisher umfangreichsten Studie zum Thema haben Forscher aus England und den USA festgestellt, dass Menschen mit hoher Belastung durch Bisphenol A (BPA) auffallend häufiger an Herz- und Kreislaufkrankheiten sowie an Diabetes leiden. Bisphenol A ist eine Ausgangssubstanz für viele Kleb- und Kunststoffe.

Bisphenol A ist in vielen Trinkflaschen aus Plastik enthalten.

(Foto: Foto: Getty Images)

Bei Menschen mit hohen BPA-Werten im Urin traten die Krankheiten im Mittel bis zu 40 Prozent häufiger auf, Erkrankungen der Herzkranzgefäße sogar bis zu 60 Prozent häufiger. Leberenzyme zeigten bei Menschen mit hoher BPA-Belastung ebenfalls abnormale Konzentrationen (Jama, Bd.300, S.1303, 2008).

Mit 1455 untersuchten Personen war dies die erste Studie an einer großen Gruppe von Menschen. Bisher waren nur kleine Gruppen von Menschen untersucht worden, oder aber Tiere. Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich nicht zweifelsfrei auf Menschen übertragen.

BPA findet sich in Lebensmittelverpackungen wie etwa Plastikflaschen oder Kunststoff-Beschichtungen von Getränke- und Konservendosen. Es wird mit der Nahrung, durch die Haut oder durch Einatmen von Staub aufgenommen. Schon seit längerem ist BPA in seiner Wirkung auf die Gesundheit umstritten. Behörden bewerten die Gefahr unterschiedlich.

Streit mit der Behörde für Lebensmittelsicherheit

Vor wenigen Wochen stritten Toxikologen und die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA um die Auswirkung von BPA auf Säuglinge. Die EFSA stufte den Stoff als unbedenklich ein; Toxikologen kritisierten dies. Kanada hat dagegen im April Babyflaschen aus Polycarbonat verboten, die amerikanische Arzneimittelzulassungbehörde FDA führt diese Woche dazu Expertengespräche.

Die Wissenschaftler um David Melzer von der englischen Peninsula Medical School in Exeter sprachen sich angesichts der alarmierenden Ergebnisse dafür aus, weitere Untersuchungen vorzunehmen. Die Autoren räumen zwar ein, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem gemessenen BPA-Gehalt nicht zweifelsfrei nachzuweisen sei. Andere Faktoren könnten daher durchaus eine Rolle spielen. Man habe aber "alles Erdenkliche getan, um diese Möglichkeit auszuschließen", sagt Melzer.