Bioresonanztherapie:Wirkungslose Attrappe

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In großformatigen Werbeverlautbarungen berichten "begeisterte Anwender" von wundersamen Heilerfolgen bei Erkrankungen jeder Art, nicht zuletzt bei Neurodermitis, Herpes, Knochenmarkskrebs oder Gehirntumoren.

Ein Gutachten der Universität Gießen wies das 360 Euro teure Gerät als gänzlich wirkungslose Attrappe aus.

Bemerkenswert ist ein weiterer "Orgonakkumulator", der unter dem Namen "Pyragon-Biophotonen-Schwingungsverstärker" vertrieben wird. Das Gerät in Gestalt einer kleinen Keramikpyramide säubere den Wohnbereich von "Eiterbakterien, Fäulnisbakterien und T-Bazillen" ("Todesbazillen, gemeint sind krebserregende Stoffe).

Ähnliche Wirkung wird dem "Hulda-Clark-Zapper K100" zugeschrieben, einem batteriebetriebenen "Frequenzgenerator, der angeblich eine in der Natur nicht vorkommende Wellenform" erzeugen kann und damit jedwede Keime, Pilze oder Parasiten abzutöten in der Lage sein soll.

Intensiv beworben werden auch Bioresonanzgeräte, die, nicht viel größer als eine Zwei-Euro-Münze, mittels eines eingebauten Mini-Akkus ein elektromagnetisches Feld zu erzeugen und, als Anhänger um den Hals getragen, jegliche Organstörung zu beheben in der Lage sei.

Alle diese Geräte kosten Hilfesuchende zwischen ein- und zweihundert Euro.

Etwas preiswerter ist mit 90 Euro das sogenannte Kosmoton, ein "kosmobiologisches Schutzgerät für Mensch, Tier und Pflanze". Es handelt sich um ein mit esoterischer Symbolik versehenes Blechmedaillon von etwa sechs Zentimetern Durchmesser mit eingebauter Mini-Batterie. In diesem Gerät sei ein "dreistrahliges Mikrokosmossystem mit dem siebenfachen Mikrosonnensystem kombiniert", wodurch es "universal kosmisch tonisierend" wirke.

Die Beispiele für derlei vollkommen nutz- und wirkungslose Gerätschaften könnten endlos fortgeführt werden.

Eine komplette Ausbildung zum "Bioresonanztherapeuten" selbst ist übrigens billiger als die meisten dieser Geräte: Sie dauert sechs Stunden und kostet 75 Euro.

Colin Goldner ist klinischer Psychologe. Er setzt sich seit etlichen Jahren kritisch mit alternativen Heilverfahren auseinander.

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