Biomedizin Frisches Hirn

Zum ersten Mal haben japanische Stammzellforscher verjüngtes Gewebe in das Gehirn eines Parkinsonpatienten übertragen. Die Prozedur ist nicht nur ein Experiment: Sie ist auch ein Realitätscheck für die weltweit größte Biobank der regenerativen Medizin.

Von Kathrin Zinkant

Als erster Parkinsonpatient in der Geschichte hat ein 50-jähriger Parkinsonkranker in Japan neue Nervenzellen aus sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS-Zellen, ins Gehirn implantiert bekommen. Wie das Wissenschaftsmagazin Nature jetzt auf seiner Website berichtet, fand die Operation bereits im Oktober am Kyoto University Hospital statt. Dabei wurden 2,4 Millionen der neuen Zellen übertragen. Sie sollen abgestorbene Neuronen ersetzen, die für die Produktion des Botenstoffs Dopamin verantwortlich sind.

iPS-Zellen sind eine relativ junge Errungenschaft der Stammzellforschung, erst vor gut zehn Jahren hat der Japanaer Shinya Yamanaka gezeigt, dass sich normale Körperzellen des Menschen, zum Beispiel aus der Haut, direkt in einen embryonalen Zustand zurückversetzen und neu zu beliebigen Geweben entwickeln lassen. 2012 wurde Yamanaka dafür mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet. Zwei Jahre später bekam eine Frau mit Makuladegeneration ein aus eigenen iPS-Zellen entwickeltes Pigmentgewebe ins Auge eingepflanzt. 2017 erhielt ein zweiter Patient ein solches Gewebe, dieses Mal aber aus iPS-Zellen eines Spenders. Japan baut derzeit eine Biobank für iPS-Zellen auf, sie soll regenerative Therapien für die gesamte, stark alternde Bevölkerung Japans ermöglichen.

Dabei steht seit Beginn der iPS-Forschung auch Parkinson im Mittelpunkt. In Menschen mit der Krankheit gehen Dopamin-produzierende Neurone des Gehirns unter. Obwohl Parkinson mit einer Vorstufe des Botenstoffs, Levodopa, behandelt wird, ist die Krankheit nicht heilbar. Biomediziner hoffen deshalb, dass Stammzellen das tote Gewebe ersetzen können. Im Affenmodell linderte eine solche Therapie die Symptome. Für die aktuelle Studie sollen noch fünf weitere Patienten mit iPS-Zellen behandelt werden.