SZ-Klimakolumne:Fatale Lagerfeuerstimmung

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SZ-Klimakolumne: Heimelig ist ein Kaminfeuer sicher. Aber nicht unbedingt umweltfreundlich.

Heimelig ist ein Kaminfeuer sicher. Aber nicht unbedingt umweltfreundlich.

(Foto: imago stock&people/imago stock&people)

Bäume massenhaft zum Verbrennen abzuholzen mag helfen, Gas einzusparen, aber klimaneutral ist es nicht.

Von Thomas Hummel

Lagerfeuerstimmung dürfte sich breit machen in diesem deutschen Winter. Gas ist teuer? Dann legen sich viele eben einen Vorrat an Holz zu, um zu heizen. Bis zu zwölf Millionen private Holzöfen sollen hierzulande in den Häusern stehen, das ist für viele Menschen doch eine wunderbare Ausweichheizung. Anbieter von Pellets und Scheiten erlebten in den vergangenen Monaten einen Run auf ihr Angebot.

Das ist gut für Deutschlands Gas-Einsparziele. Ob es gut für den Geldbeutel ist, muss sich erst weisen, denn auch hier haben sich die Preise oftmals verdreifacht. Und gut für Natur und Klima? Eher nicht.

Die heimelige Stimmung vor dem Wohnzimmer-Kamin ist das eine. Aber wer Holz verbrennt, erzeugt Abgase - Feinstaub, Dioxine und Furane, die in Wohnsiedlungen bisweilen zum Nachbarn fliegen. Streits sind nicht selten. Ortschaften könnten im abendlichen Gestank versinken. Ganz zu schweigen von den Schadstoffen in der Luft. In dieser Woche hat sich das EU-Parlament zudem mit der Frage beschäftigt, ob Holz weiterhin als klimaneutraler Brennstoff gelten soll, der in der Richtlinie für Erneuerbare Energien (RED) durch den Steuerzahler subventioniert wird. Antwort: Ja, wenn auch künftig stufenweise weniger Geld fließen soll.

Wie bei vielen Dingen kommt es auf die Menge an

Dabei dürfte jedem klar sein: Einen ausgewachsenen Baum zu fällen und ihn zu verheizen, ist nicht klimaneutral. Bis ein neuer Baum nachwächst, um den Kohlenstoffkreislauf zu schließen, dauert es Jahrzehnte. Dazu wird bei weitläufigen Rodungen das Ökosystem geschädigt. Wie bei vielen Dingen kommt es auf die Menge an. Aus der einstigen Idee, Holzabfälle noch zur Energiegewinnung zu nutzen, ist inzwischen das Geschäft geworden, dafür auch gesunde Bäume abzuholzen. Millionen Tonnen Holzpellets werden etwa aus den USA, Kanada und bis vor kurzen noch aus Russland in die EU importiert, die mächtige Holzlobby etwa in Skandinavien verdient auch prächtig.

Ohne gesunde Wälder, die Kohlendioxid aufnehmen, ist aller Klimaschutz nichts wert. Holz kann aber durch geschickte Anwendung klimaschädliche Materialien ersetzen. Etwa Zement beim Hausbau oder Plastik bei Kinderspielzeugen. Je länger man Holz nutzt, desto besser die Klimabilanz. Es ist enorm wichtig, eine gute Balance zu finden, wie viel Wald der Mensch nutzen darf und wofür. Und wie viel er stehen lassen muss. Abholzen, weil jetzt das Gas teuer ist, kann keine Lösung sein.

Wie stehen Sie zum Thema privater Holzofen? Lässliche Sünde, weil es so gemütlich ist? Oder überflüssiger Luxus, den sich Natur und Klima nicht leisten können? Schreiben Sie mir gerne unter klimafreitag@sz.de.

(Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

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