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Biologie:Wie Spinnen mit Farben prahlen

Spinne

Eine männliche North American Habronattus-Spinne.

(Foto: Thomas Shahan, thomasshahan.com)

Männliche Springspinnen bezirzen Weibchen mit Tanz und Farbenpracht. Dabei geht es auch um Leben und Tod.

Männliche Springspinnen sind begnadete Tänzer: Ist ein Weibchen in Sicht, dann trippelt und hüpft der Bewerber links und rechts vor seiner Angebeteten. Als besonderes Schmankerl präsentiert er der Dame seine bunten Körperstellen. Bei der nordamerikanischen Habronattus-Springspinne ist das die rot gefärbte Vorderseite. Die australische Maratus-Springspinne, auch Pfauenspinne genannt, dagegen zeigt ihren farbigen Hinterleib.

Ein buntes Fell bei Spinnen ist eine Ausnahme: Viele Tiere ziert eher ein trübes blau, grün oder braun. Der Grund: Ihre Farbwahrnehmung ist nicht sonderlich ausgeprägt. Ganz anders ist es bei der Habronattus- und der Maratus-Spinne. Nate Morehouse, Biologe an der Universität von Cincinnati, hat die beiden Arten untersucht. Das Ergebnis: Die Tiere können mehr Farbtöne sehen als andere Spinnen, die Mechanismen in ihren Augen sind aber unterschiedlich.

Die Farbwahrnehmung hilft bei der Nahrungssuche

Die Habronattus-Spinne besitzt einen zusätzlichen Rotfilter auf der Netzhaut. In Verbindung mit ihren grünempfindlichen Netzhautzellen kann sie Rot-, Gelb- und Orangetöne wahrnehmen. Die Pfauenspinne dagegen hat keinen Filter, sondern sieht Farben ähnlich wie Vögel, durch verschiedene farbempfindliche Zellen im Auge.

Sie verfügt dafür über zwei zusätzliche Fotorezeptoren für Rot- und Blautöne. Der Grund für die unterschiedlichen Augen: Die beiden Spinnenarten sind - trotz ihrer äußeren Ähnlichkeiten - nicht miteinander verwandt.

Die Farbwahrnehmung der Spinnen bietet neben dem Balzverhalten auch einen Überlebensvorteil bei der Nahrungssuche. Die Tiere können damit grelle Warnfarben von Insekten erkennen und so giftige Beute vermeiden.

Unterläuft dem Männchen beim Tanzen ein Fehler, hilft auch die bunteste Fellfarbe nichts. Im besten Fall ignoriert das Weibchen den Bewerber und zieht davon. Im schlimmsten Fall hält es ihn für ein Beutetier und frisst ihn auf.