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Biologie:Wie Robben einander finden

(Foto: Oliver Krüger)

Weibliche Robben müssen häufig unter hunderten Babyrobben ihren eigenen Nachwuchs wiederfinden. Forscher haben nun entschlüsselt, wie sich die Tiere erkennen.

Von Hinnerk Feldwisch-Drentrup

Mütter der arktischen Seebären verströmen einen sehr ähnlichen Duft wie ihre Kinder. Am Geruch lässt sich sogar erkennen, aus welcher Kolonie ein Tier stammt und wie eng es mit anderen verwandt ist.

Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, hat Verhaltensforscher Martin Stoffel von der Universität Bielefeld mit Kollegen sowohl Duftproben als auch genetische Informationen von je 41 Weibchen und Jungtieren dieser Robbenart untersucht. Die Biologen identifizierten 220 verschiedene Substanzen im Fell der Säugetiere (PNAS). Zwölf davon scheinen insbesondere bei der Mutter-Kind-Erkennung eine wichtige Rolle zu spielen. Denn während die Seebär-Weibchen ihren Nachwuchs stillen, schwimmen sie manchmal weit aufs Meer hinaus, um Futter zu suchen. "Anschließend müssen sie unter Hunderten Jungen ihr eigenes wiederfinden", sagt Stoffel.

Anhand des Geruchs sei es den Robben auch möglich, entfernter verwandte Tiere zu erkennen. Bei der Partnerwahl können die Geruchsstoffe ebenfalls helfen. "Wir haben festgestellt, dass Seebären mit höherer genetischer Vielfalt gleichzeitig einen komplexeren Mix an Chemikalien auf ihrer Haut haben", sagt Stoffel.

Die Bedeutung des Geruchssinns für das Sozialleben der Meeressäuger ist eine recht neue Erkenntnis. Weil die Tiere unter Wasser Mund und Nase zumachen, dachte man, der Geruchssinn wäre für sie nicht so wichtig. Doch anders als im Wasser, wissen die Robben den Geruchssinn an Land durchaus zu nutzen.

© SZ vom 12.08.2015
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