Biologie:Warum werden Frauen früh unfruchtbar?

Mother-daughter competition in orcas may explain menopause

Der Wettbewerb zwischen Mutter und Nachwuchs wird bei Orcas als Grund gesehen, warum die Tiere früh ihre Fruchtbarkeit verlieren. Gilt das auch beim Menschen?

(Foto: AFP)

Aus Sicht der Evolution ist es wenig sinnvoll, dass Frauen nur bis zur Hälfte ihres Lebens Kinder bekommen können. Ein Blick auf Killerwale aber zeigt: Die Menopause bewahrt sie vor Konflikten.

Von Kai Kupferschmidt

Für die meisten Menschen sind Großmütter ein Geschenk des Himmels, doch für Biologen sind sie ein Problem: Warum werden Frauen schon mit 50 Jahren unfruchtbar, wenn sie doch noch Jahrzehnte weiterleben? Im Wettlauf der Gene hat derjenige einen Vorsprung, der die meisten Kopien ins Rennen schickt.

Da scheint die beste Strategie für Weibchen klar zu sein: Nachfahren zeugen bis zum Lebensende. Die meisten Tiere machen das, doch nicht der Mensch. Warum? Nun glauben Wissenschaftler herausgefunden zu haben, woher die Güte der Großmütter stammt - ausgerechnet durch eine Studie an Killerwalen.

Vermutlich sind ältere Mütter nicht so motiviert im Konkurrenzkampf

Der britische Forscher Michael Cant von der Universität Exeter und seine Kollegen haben bei Orcas nachgeforscht, weil das Muster ihrer Fortpflanzung dem des Menschen ähnelt: Die Tiere können bis zu 100 Jahre leben, doch sobald die Weibchen etwa 40 Jahre alt sind, bekommen sie keinen Nachwuchs mehr. Einen Grund dafür präsentieren die Forscher im Fachblatt Current Biology: Wenn alte und junge Weibchen in einer Gruppe gleichzeitig Nachfahren haben, dann konkurrieren die Kälber um Ressourcen - und die Kinder der älteren Weibchen ziehen dabei den Kürzeren.

Von 1973 bis 2015 hatten Wissenschaftler an der Küste Nordamerikas genau Buch geführt über Geburten und Todesfälle in zwei Killerwalpopulationen. Die Kälber älterer Weibchen hatten deutlich schlechtere Chancen, ihren 15. Geburtstag zu erleben, wenn in der Gruppe auch jüngere Weibchen Junge bekamen. Vermutlich sind die älteren Mütter einfach nicht so motiviert im Konkurrenzkampf, sagt Cant. Die Forscher gehen davon aus, dass jüngere Weibchen bereit sind, rücksichtsloser für ihre Kinder zu kämpfen als ältere.

Beim Menschen flüchteten sich viele Forscher in ein Lob der Großmutter, um das Mysterium der Menopause zu erklären: Ältere Frauen, die selbst keine Nachkommen mehr zeugen, könnten sich ja um ihre Enkelkinder kümmern und deren Überlebenschancen verbessern. Allerdings gibt es Zweifel daran, dass diese Strategie evolutionär von Vorteil ist. Denn wenn es darum geht, wie effizient Frauen ihre Gene weitergeben, dann wäre es besser, wenn sie auch im Alter noch eigene Nachkommen auf die Welt bringen - diese tragen schließlich zur Hälfte die Gene der Mutter, Enkel nur zu einem Viertel.

Lob für die Großmutter - und für die Schwiegermutter

Wenn der eigene Nachwuchs älterer Frauen aber ohnehin schlechtere Chancen hat zu überleben, so wie bei den Orcas auch, dann könnte das zusammen mit der Großmutter-Fürsorge ausreichen, um die Evolution der Menopause zu erklären. Dabei spielt auch das Sozialverhalten eine Rolle: Vieles deutet darauf hin, dass in der Vorgeschichte des Menschen schwangere Frauen in die soziale Gruppe ihres Partners wechselten.

Wie die jungen Killerwalweibchen waren sie also mit der neuen Gruppe nicht verwandt und somit weniger gehemmt im Kampf um Ressourcen für ihr Kind. Die Schwiegermutter dagegen wäre in einem Dilemma, würde sie auch im fortgeschrittenen Alter noch Kinder bekommen - sie müsste auf ihren eigenen Nachwuchs achten und auf die Enkel. Die Menopause befreit sie aus diesem Konflikt. Neben dem Lob der Großmutter wäre es also auch Zeit für ein Lob der Schwiegermutter.

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