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Biologie:Schrumpf-Salamander

Tierische Ziehharmonika: In Texas gibt es einen Salamander, der schrumpft, wenn die Nahrung knapp wird, und wächst, sobald die Lebensbedingungen wieder günstig sind.

Von Kai Althoetmar

Schrumpfende Tiere? Das erwartet man vielleicht in Disneyfilmen, aber kaum in der Realität. Dabei gibt es dieses Kuriosum tatsächlich - wenn wegen einer langen Dürre die Nahrung knapp wird.

Eine seltene Salamanderart schrumpft unter diesen Umständen, kann den Verlust an Körperlänge aber später unter günstigeren Lebensbedingungen wieder kompensieren.

Diese ungewöhnliche Anpassungsfähigkeit des Jollyville Plateau Salamanders haben amerikanische Wissenschaftler nachweisen können (Journal of Zoology, Bd. 290, S. 35, 2013).

Der seltene Jollyville Plateau Salamander gilt als kaum erforscht. Allerdings ist immerhin bekannt, dass er üblicherweise etwa sechs Zentimeter inklusive Schwanz misst.

Ursprünglich wollten Andrew Gluesenkamp vom Texas Parks and Wildlife Department und der Umweltwissenschaftler Nathan Bendik nur messen, ob die Lurche bei Dürre langsamer wachsen. Eine achtmonatige Dürre kam ihnen dabei zugute.

Als die Forscher die zuvor markierten und fotografierten Salamander nach Monaten der Trockenheit wieder einsammelten, hielten sie ausgezehrte Schrumpfversionen der Tiere in den Händen.

Die Kopf-Rumpf-Länge des Salamanders war um bis zu acht Prozent kürzer als vor der Dürre, der Schwanz sogar um bis zu 23 Prozent. Im darauffolgenden Frühjahr hatten die Tiere dies jedoch wieder mehr als wett gemacht. Und dies sei nicht einfach die Folge einer einzigen, besonders üppigen Mahlzeit gewesen, betonen die Forscher.

"Das Schrumpfen könnte eine Anpassung sein, um mit langen Phasen geringen Futterangebots fertig zu werden", schreiben die Autoren. Offenbar genügt es den Tieren nicht, Fettreserven vor allem im Schwanz abzubauen, um den widrigen Umweltbedingungen zu trotzen.

"Für den weltweiten Niedergang der Amphibienpopulationen ist der Klimawandel eine treibende Kraft", schreiben Bendik und sein Kollege. Gestiegene Temperaturen und häufigere Dürren setzten den Kriechtieren zu.

Der Jollyville Plateau Salamander lebt nur in wenigen Gegenden von Texas, unter anderem auf der namensgebenden Hochebene. In Dürrezeiten zieht er sich in grundwasserführende Schichten zurück. Dort herrsche dann ein erhöhter Konkurrenzdruck unter den Lurchen um Raum und Futter, vermuten die Autoren.

Dass Amphibien zeitweise schrumpfen können, wusste bislang niemand. Aus dem übrigen Tierreich jedoch sind einige Beispiele dafür bekannt. So wurden 1965 schrumpfende Spitzmäuse entdeckt, später auch einige Buntbarscharten.

Zuletzt beschrieben Forscher die Körperveränderung bei Meeresleguanen, denen das Wetterphänomen El Niño vor der Westküste Südamerikas alle paar Jahre die Nahrung dezimiert.

© SZ vom 20.06.2013/mcs
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