bedeckt München 20°
vgwortpixel

Biologie:Ein Virus, das seine Opfer erstarren lässt

  • Ein neu entdecktes Virus lässt seine Wirte erstarren - daher der Name aus der griechischen Mythologie. Sehr wahrscheinlich befällt es nur einzellige Lebewesen.
  • Es gehört zur Gruppe der Riesenviren, die einige erstaunliche Eigenschaften haben.
  • Viren sind bei der Fortpflanzung auf Wirte angewiesen und gelten daher selbst nicht als Lebewesen.

In der japanischen Manga-Serie "König der Dornen" bedeutet die Diagnose "Medusa" den Tod. Die Betroffenen versteinern innerhalb weniger Wochen. Der einzige Trost: Das Szenario ist ausgedacht, eine solche für Mensch oder Tier gefährliche Krankheit gibt es nicht. Für manche Einzeller hingegen kann das Versteinerungsschicksal zur Realität werden. Zum Beispiel, wenn sie von einem Erreger infiziert werden, den seine Entdecker gerade "Medusavirus" getauft haben.

In der griechischen Mythologie lässt die Göttertochter Medusa jeden, der sie ansieht, zu Stein erstarren. "Ich interessiere mich seit der Kindheit für die griechische Mythologie", sagt Masaharu Takemura von der Universität Tokio, der zusammen mit Kollegen die Eigenarten des neu entdeckten Virus im Journal of Virology beschreibt. Daher seien ihm gleich das Bild der Medusa und der entsprechende Name in den Kopf gekommen.

Virus-Infektion Riesenviren aus der Arktis erwachen
30 000 Jahre alte Erreger

Riesenviren aus der Arktis erwachen

Forscher haben 30 000 Jahre alte Riesenviren aus dem ewigen Eis wieder aktiviert. Die merkwürdigen Erreger zeigen sich trotz langer Tiefkühlung höchst aktiv.   Von Katrin Blawat

Die Wirte dieser Viren sind Amöben, also nahezu überall vorkommende Einzeller. Geraten sie unter Stress, etwa durch Nahrungsmangel, verwandeln sie sich in Zysten. Die eigentlich veränderbare Körperform der Amöben wird dann fest, sie erstarren oder versteinern sozusagen. In diesem Zustand kann den Amöben kaum eine Widrigkeit etwas anhaben, Biologen sprechen von einem Dauerstadium, aus dem wieder Amöben hervorgehen können.

Diese Verwandlung beobachtete das Team um Takemura auch in Zusammenhang mit dem neu entdeckten Virus. Allerdings vermutet Takemura, dass auch andere Keime Amöben zu Zysten werden lassen. Unklar ist zudem, ob wirklich die Infektion mit dem Virus oder bereits dessen bloße Anwesenheit die Zystenbildung auslöst. "Es ist eine faszinierende Studie", sagt Frederik Schulz vom Joint Genome Institute im kalifornischen Walnut Creek. "Bei der hier beschriebenen Beobachtung könnte es sich aber auch um eine Stressreaktion handeln, durch die sich nicht infizierte Amöben vor einer Infektion schützen." In jedem Fall aber deutet nichts von dem, was bei den Einzellern in Zusammenhang mit dem Medusavirus geschieht, auf eine Gefahr für Mensch oder Tier hin. Nach allem, was bislang bekannt ist, sind die Erreger harmlos für mehrzellige Organismen.

Dass die Medusaviren dennoch großes Interesse auf sich ziehen, liegt nicht nur an ihrem öffentlichkeitswirksamen Namen. Sondern auch an ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die noch nicht allzu lang bekannt und noch immer recht rätselhaft ist: die Riesenviren. Zu ihnen zählen unter anderen das Pandora- und das Tupanvirus - beide Namen gehen ebenfalls auf mythische Gestalten zurück - sowie die im österreichischen Klosterneuburg entdeckten Klosneuviren. Diese hat Frederik Schulz zusammen mit Kollegen vor zwei Jahren in der Fachzeitschrift Science beschrieben.