Farbeinteilung scheint angeboren zu sein

Das Meer ist blau, Wiesen sind grün und Dächer rot: Menschen teilen die Welt in klare Farbkategorien ein, obwohl sie auch subtilere Zwischentöne wahrnehmen können. Unklar ist, wie Menschen die Grenzen einer Farbe festlegen, also wann sie als grün wahrgenommen wird (Frühling), und wann als braun (Spätsommer). Manche Experten sind der Überzeugung, dass die Farbskala vor allem von Sprache und Kultur abhängt.

Nun berichten Psychologen im Fachjournal PNAS, dass die Unterscheidung von Farben stärker biologisch geprägt ist als bislang angenommen. Sie zeigten 179 Säuglingen im Alter zwischen vier und sechs Monaten verschiedene Farbreize. Neue Sinneseindrücke ziehen Säuglinge länger in ihren Bann als bereits bekannte. Wenn ein Baby einen neuen Farbton intensiv und lange betrachtete, werteten die Kognitionsforscher dies als Hinweis, dass der Säugling die Farbe als neu wahrnimmt.

Mit dieser Methode ermittelten die Psychologen der Universitäten Sussex und Berkeley, dass schon Babys ihre Umwelt in fünf Farbkategorien einordnen: rot, gelb, grün, blau und violett. Auch indigene Völker wie die Tolupán in Honduras teilen Farben nach diesem Muster ein. Die Forscher folgern daraus, dass eine starke biologische Basis für die Farbunterscheidung existiert - unabhängig von Sprache oder Region. Von Christoph Behrens

Bild: AFP 14. Mai 2017, 11:142017-05-14 11:14:53 © SZ.de/dpa/chrb