Biologie Bienen fliegen auf Koffein

Bienen bevorzugen Nektar mit Koffein. Sie steuern gezielt entsprechend schmeckende Blüten an. Diese Vorliebe nützt wahrscheinlich Pflanzen und Insekten.

Kaffeepflanzen und verschiedene Zitrusgewächse produzieren Koffein. Es dient manchen Pflanzen als Abwehr gegen Fressfeinde - der bittere Geschmack zum Beispiel von Kaffee behagt vielen Tieren nicht.

Das Alkaloid ist auch in kleinen Mengen im Blütennektar dieser Pflanzen enthalten. Und dort führt es nicht dazu, dass Bienen darauf verzichten. Im Gegenteil: Die Insekten erinnern sich offenbar später besser an den Duft der entsprechenden Blüten und kehren gern zu ihnen zurück. Und das führt zu einem Fortpflanzungsvorteil der Pflanzen gegenüber der Konkurrenz. Schließlich tragen die Bienen die Pollen der Blüten zur nächsten Pflanze.

Das berichten Wissenschaftler im Fachmagazin Science (Bd. 339, S. 1202, 2013).

Für die Bienen, so vermuten die Biologen um die Britin Geraldine Wright von der Newcastle University in Newcastle upon Tyne, ist die Sache ebenfalls vorteilhaft. Denn dank des Koffeins finden sie schneller wieder zum Ort der Blüten zurück. Offenbar, so vermuten sie, wirkt das Koffein sich auf die Gedächtnisleistung der Insekten aus. Einen ähnlichen Effekt haben etliche Studien für den Menschen gezeigt, berichten die Forscher.

Natürlich unterscheiden sich die Gehirne von Menschen und Insekten grundlegend, doch es gibt eben auch deutliche Ähnlichkeiten, wie die Wirkung des Alkaloids Koffein belegt.

Die Forscher untersuchten den Nektar von drei Arten von Kaffeesträuchern und vier Arten von Zitrusgewächsen mit duftenden Blüten. Dann versetzten sie Zuckersaft mit entsprechenden Konzentrationen von Koffein. Im Labor mochten Bienen diesen Saft lieber als solchen ohne Koffein. Anschließend trainierten die Wissenschaftler einige Insekten darauf, einen von mehreren Blütenduften mit einer Belohnung - Zuckersaft - zu verbinden. An den Duft eines Koffein enthaltenden Safts erinnerten sich einen Tag später dreimal so viele Bienen als an Säfte ohne das Alkaloid. Und nach drei Tagen waren es immerhin noch doppelt so viele, die auf den Geruch eines Saftes mit Koffein reagierten.