Spinnen Arachnosex mit Gefühl

Lange dachten Forscher, dass Spinnen-Männchen beim Sex nichts fühlen können. Nun haben sie Sinneszellen im Geschlechtsteil der Tiere nachgewiesen. Sie sollen dabei helfen, ein passendes Weibchen zu finden.

Das Liebesspiel von Spinnen ist womöglich aufregender als bisher vermutet. Ein deutsches Forscherteam hat Nervenzellen in den Geschlechtsteilen der männlichen Tasmanischen Höhlenspinne Hickmania troglodytes nachgewiesen. Mit den Pedipalpen genannten Fühlern injizieren Spinnen-Männchen Spermien in den Körper des Weibchens.

Bisher vermuteten Biologen, dass die Extremitäten keine Sinneswahrnehmung ermöglichen, und Männchen bei der Paarung lediglich eine passive Rolle spielen. Doch nun schreiben Biologen der Universitäten Greifswald und Jena im Fachmagazin Biology Letters: "Das männliche Geschlechtsorgan dieser Spezies ist nicht bloß eine gefühllose Struktur, sondern vermutlich in der Lage, Sinneseindrücke während der Spermienübertragung zu übermitteln."

Die Forscher stützen ihre Vermutung auf Mikroskop- und Röntgenaufnahmen sowie auf ein dreidimensionales Computer-Modell eines Pedipalpus. Demnach hat die Höhlenspinne zwei verschiedene Arten von Nervengewebe in ihrem Geschlechtsteil: Einen Nerv, der bis zur Spitze des Organs läuft. Und Ansammlungen von Neuronen in der Nähe einer Drüse, die für die Spermienübertragung zuständig ist.

Auf diese Weise erhielten die Tiere während der Paarung möglicherweise Informationen darüber, wie fortpflanzungsfähig das Weibchen ist, so die Forscher. Die Tiere könnten dann den Ausstoß ihres Ejakulats entsprechend anpassen.