BiologieAmeisen sind Faschisten und Löwen stinkfaul

Wie süß! Wie selbstlos! Was wird Tieren nicht alles angedichtet. Manchmal werden sie sogar politisch missbraucht. Zeit für eine nicht nur ironisch gemeinte Tierkritik.

Löwen – Könige der Langeweile

In den Augen der Menschen ist der Löwe seit allen Zeiten der König der Tiere. In Wahrheit sind sie bedauernswerte Kreaturen mit kurzer Lebenserwartung, bräsig und ungewaschen. Anders als Hauskatzen putzen sie sich kaum, ihre Mähne ist oft verfilzt, sie reinigen meist nur ihren Nasenrücken. Sehen so Helden aus? Klar ist der Löwe das größte Raubtier Afrikas, aber international nur die Nummer zwei hinter dem Tiger. Der brüllende Rudelführer herrscht zwar über ein Territorium von bis zu 400 Quadratkilometern, aber zur Arbeitsbeschreibung gehört es vor allem, die Grenzen seines Reichs mit Kot und Urin zu markieren. Was für ein Job. Löwen haben null Ausdauer, sie schaffen einen kurzen Sprint mit maximal 60 km/h, viele Tiere sind schneller und ausdauernder.

Die meiste Zeit des Tages schlafen Löwen sowieso, bis zu 18 Stunden pro Tag, Könige der Langeweile. Und der Sex? Letztlich kommt nur der Rudelführer an die Weibchen ran. Aber auch er ist von ihrem Entgegenkommen abhängig. Nein heißt hier wirklich Nein. Das Gros der Rudellöwen hat ohnehin nichts zu melden. Und die Rudelführer werden ständig von jüngeren Löwen attackiert, was ihnen eine Lebenserwartung von sieben bis zwölf Jahren beschert. Selbst die stärksten Löwen schaffen es nur zwei oder drei Jahre an der Spitze zu bleiben. Unterliegen sie, ist das meist ein blutiges Ende oder sie müssen allein und ausgemergelt durchs Land ziehen. Trostlos wie Ex-Manager im Ruhestand. Von Hubert Filser

Bild: Stefan Dimitrov / SZ-Grafik 19. September 2016, 10:162016-09-19 10:16:59 © SZ vom 17.09.2016/chrb