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Bioenergie:Auf Fleisch verzichten bringt mehr

Die Bundesregierung sowie ihre Berater von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe und dem Bioökonomierat erwarten jedoch, den Anteil heimischer Biomasse bis 2050 auf 23 Prozent steigern zu können. Die Zahl wird dadurch gemindert, dass der Energieverbrauch sich bis dahin halbieren soll. Beide Entwicklungen zusammengenommen müsste sich die Biomassenutzung für Energiegewinnung bis dahin etwa verdreifachen, was mit einer Verdopplung der Anbaufläche und gesteigerten Erträgen gelingen soll.

Beides hält die Leopoldina für falsch. Auch Importe lässt sie nicht als Ausweg gelten. Wenn ferne Länder für den deutschen Bedarf die Landwirtschaft intensivierten oder Wälder abholzten, "exportieren wir die Umweltprobleme", sagt Thauer. Zudem müsse sichergestellt werden, dass die Menschen in jenen Ländern genug zu essen haben. Ob diese sozialen und ökologischen Bedingungen in den Herkunftsländern effektiv überwacht werden könnten, sieht der Forscher aus Marburg kritisch.

Biogaskessel und Windräder zusammenschalten

Die Stellungnahme lehnt den Gebrauch von Bioenergie aber nicht komplett ab. Wenn vielleicht fünf Prozent der benötigten Energie nachhaltig aus Pflanzenmaterial gedeckt werden könnten, sollte sie vor allem in zwei Anwendungen fließen. Zum einen als Treibstoff für Lastwagen, Schiffe und Flugzeuge, die nicht vernünftig mit Elektroantrieb funktionieren. Und zum anderen, um Kapazitätsreserven in der Stromerzeugung zu schaffen. Wenn hier Biogaskessel mit Windrädern und Photovoltaikanlagen zusammengeschaltet werden, können sie den fluktuierenden Bedarf unabhängig vom Wetter besser decken.

Außerdem zeigen die Experten, welch großer Anteil der Biomasse in Deutschland für tierische Nahrungsmittel aufgewandt wird. Das Vieh, das später Fleisch, Käse und Milch liefert, vertilgt sechsmal so viel Grünzeug wie bei der Ernte von Gemüse und Obst anfällt. Essen pflanzlicher Herkunft liefert aber zwei Drittel der aufgenommenen Kalorien, die tierischen Produkte nur ein Drittel. Die Ernährungsgewohnheiten zu ändern, "könnte wahrscheinlich stärker zur Milderung des Klimawandels beitragen, als es die meisten Bioenergie-Produktionen leisten können".