Bio-Flugzeugbenzin:Der Flieger-Pilz

Weintrauben kann er verderben - und Flugzeuge antreiben: Der Schimmelpilz Aspergillus carbonarius liefert Kohlenwasserstoffe, aus denen sich eine Basis für Flugbenzin produzieren lässt. Wenn er richtig gefüttert wird.

Von Andrea Hoferichter

Ein schwarzflaumiger Schimmelpilz, der unter anderem im Boden und in gammeligem Obst zu finden ist, produziert eine Art Biokerosin. Bisher war der Pilz Aspergillus carbonarius Item 5010 eher als Quelle für gesundheitsschädliches Ochratoxin in Weintrauben bekannt. Doch offenbar kann er auch einen Mix aus kurzen, langen und ringförmigen Kohlenwasserstoffmolekülen herstellen, von denen viele in Flugzeugtreibstoff enthalten sind.

Entscheidend für die Vielfalt der Mischung scheint die Nahrungsgrundlage zu sein, berichten Forscher der Washington State University (WSU) in der Aprilausgabe des Fachblatts Fungal Biology. Gepäppelt mit Hafermehl etwa liefert der Pilz einen Mix aus mehr als 50 verschiedenen Verbindungen.

"Er wächst aber auch auf ligninhaltigen Stoffen wie Stroh oder Maisabfällen, die zu den wichtigsten Kohlenstoffquellen der Zukunft zählen", sagt die WSU-Forscherin Birgitte Ahring. Die Ausbeute ist auch dann beachtlich, fällt allerdings mit bis zu 30 Substanzen geringer aus. In den kerosinähnlichen Stoffgemischen fanden die Wissenschaftler außerdem den Alkohol Ethanol, der zum Beispiel in die Biospritproduktion für Autos fließen könnte, und verschiedene Industriechemikalien.

Als Nächstes wollen die Forscher die Stoffwechselschritte genauer untersuchen, die Produktionsbedingungen verbessern und den Pilz womöglich genetisch optimieren. In etwa fünf Jahren, glauben sie, könnte ihr Verfahren marktreif sein.

© SZ vom 08.05.2015/mahu
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