2. Lebendig fressen

Manchmal beginnen Gottesanbeterinnen während der Paarung, das deutlich kleinere Männchen vom Kopf her aufzufressen. Dieser sexuelle Kannibalismus ist im Tierreich selten und auch sein Zweck ist nicht vollständig geklärt. In anderen Tiergruppen wie bei Fischen, Schlangen, Waranen und Alligatoren dient Kannibalismus häufig dazu, potenzielle Sexkonkurrenten oder deren Kinder auszuschalten. Das vergrößert den eigenen Fortpflanzungserfolg und bedeutet nicht zwingend, dass die Opfer tatsächlich bei lebendigem Leib gefressen werden.

Anders ist dies zum Beispiel bei Hyänen, die auf die grausame Art einfach nur ihren Hunger stillen, wie Heribert Hofer, Leiter des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, einmal beobachtete. "Sie hatten schon die gesamte Leibeshöhle einer Büffelkuh ausgeräumt, Leber, Niere, Därme, als eine Gruppe Löwen sie attackierte", erzählt er. "Als die Hyänen mit den Löwen beschäftigt waren, stemmte sich die Kuh hoch, blieb stehen und ging sogar ein paar Schritte." Dann hatten die Hyänen die Löwen vertrieben, warfen die Kuh erneut um und fraßen weiter am lebenden Tier.

Auch Wildhundrudel tun so etwas - und sogar Schimpansen zerreißen von ihnen gestellte Kolobusaffen bei vollem Bewusstsein. Eine andere Form der Lebendnahrung genießen die Larven vieler Schlupfund Grabwespenarten. Deren Mütter lähmen Heuschrecken, Maden oder Raupen durch ein Gift. "Und wenn die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, frisst sie das gelähmte Tier langsam auf", sagt Klaus Schönitzer von der Zoologischen Staatssammlung in München.

(Foto: dpa)

1. März 2008, 17:382008-03-01 17:38:00 ©