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Bienensterben:Tod im Maisfeld

Die Imker in Baden-Württemberg haben in den vergangenen Wochen schätzungsweise 7000 Bienenvölker verloren. Schuld ist offenbar ein Pflanzenschutzmittel.

Hanno Charisius

Wieder sterben Bienen. Die Imker in Baden-Württemberg haben schätzungsweise 7000 Völker in den vergangenen Wochen verloren, die normalen Verluste über den Winter nicht eingerechnet.

Ein Viertel aller Bienenvölker in Deutschland hat den Winter nicht überlebt. Normalerweise sterben zehn bis zwölf Prozent in den kalten Monaten.

(Foto: Foto: dpa)

Das Zentrum des Massensterbens liegt in der Rheinebene, einer Region, in der besonders viel Mais angebaut wird. Aber auch Gebiete in Bayern sind betroffen.

Als Ursache haben Forscher des Julius-Kühn-Instituts in Braunschweig und des Bundesamts für Verbraucherschutz (BVL) in Berlin das Insektengift Clothianidin ausgemacht. Am Freitag gab die Berliner Behörde bekannt, sie habe das sofortige Ruhen der Zulassungen von insgesamt acht Saatgut-Behandlungsmitteln, die diesen Wirkstoff enthalten, angeordnet.

Für Ekkehard Hülsmann ist damit ein "Etappensieg" erreicht. Doch das Sterben werde weiter gehen, sagt der Vorsitzende des Landesverbands der Badischen Imker. "Das Gift ist jetzt in der Umwelt." Nun wird der Schuldige gesucht. Und die Imker hoffen auf Entschädigung.

"Wir bewegen uns in einem juristisch prekären Bereich", sagte Stefanie Hahn, Sprecherin des Julius-Kühn-Instituts (JKI) vor Abschluss der Untersuchungen. Es gehe schließlich darum, wer wem den entstandenen Schaden zu ersetzen habe.

Der jetzt in die Kritik geratene Wirkstoff Clothianidin ist in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln enthalten, und erst seit dem Jahr 2004 in Deutschland zugelassen.

Die bislang erlaubten, clothianidinhaltigen Präparate sind in erster Linie dazu gedacht, Saatgut zu beizen, um es selbst und später die ganze Pflanze vor Fraßinsekten zu schützen, zum Beispiel vor dem gefürchteten Maiswurzelbohrer, der im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland gesichtet wurde.

Eines der Mittel, "Poncho", hergestellt von Bayer Cropscience, ist seit 2004 vom BVL für die Behandlung von Maissaatgut in zwei Dosierungen zugelassen. Höchstens 62 Gramm Wirkstoff dürfen demnach auf jeweils 50.000 Saatgutkörner verteilt werden. Auf diese Weise imprägnierter Mais ist leicht an seiner violetten Farbe zu erkennen.

Im Zulassungsverfahren sei besonders auf eine mögliche Bienengiftigkeit geachtet worden, betont das BVL. Da Clothianidin für Honigbienen sehr giftig ist, seien "eine Reihe von praxisnahen Versuchen zur Wirkung der Saatgutbehandlung auf Bienen durchgeführt worden", heißt es in einer Stellungnahme des BVL. In diesen Tests seien keine "negativen Auswirkungen festgestellt" worden.

Weil es als Beizmittel eingesetzt und nicht großflächig versprüht wird, galt das Insektengift als unschädlich für Bienen. Bis Ende April waren dem BVL auch keine Bienenschäden dieser Art aus Deutschland bekannt. Dann begann das Sterben in der Rheinebene und in den meisten Bienenleichen fand sich das Pflanzenschutzmittel.

Gift aus der Abluft der Sämaschinen

Am Freitagnachmittag diskutierten im Julius-Kühn-Institut und in der Berliner Verbraucherschutzbehörde Experten darüber, wie das Gift in die Luft gelangen konnte, obschon es eigentlich mit dem Saatgut vergraben werden sollte. Zurzeit stehen die Sämaschinen im Verdacht, eine Clothianidin-Wolke verursacht zu haben. Je nach Konstruktionsprinzip könne es zu einer "erheblichen Staubabdrift" kommen, schreibt das Bundesamt.

In dem Saatgutbehälter der Maschinen reiben demnach die gebeizten Maiskörner aneinander und schmirgeln das Gift herunter, dass schließlich mit der Abluft der Sämaschine in die Umwelt gelangt, vom Wind verblasen wird und dann auf Blättern und Blüten in der Umgebung niederfällt.

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