Bienensterben in den USA Ein Virus bringt die Bienen um

Lange wurde gerätselt, was für das Massensterben von Bienen in den USA verantwortlich sein könnte. Jetzt gibt es einen Verdächtigen.

Von Martin Kotynek

Ein Virus könnte die Ursache für das rätselhafte Bienensterben sein, das bisher etwa ein Viertel der 2,4 Millionen Kolonien in den USA vernichtet hat. Das Israel Acute Paralysis Virus (IAPV) war in den meisten erkrankten Bienenvölkern vorhanden, die 22 Biologen um Diana Cox-Foster von der Pennsylvania State University untersucht haben (Science, online). "Wir konnten zwar keinen kausalen Zusammenhang, aber eine starke Korrelation zwischen Virus und Bienensterben finden", sagt Cox-Foster.

Sind die US-Bienen Opfer eines Virus?

(Foto: Foto: dpa)

Das Team aus Genetikern und Zoologen sammelte Proben aus vier Kolonien, die vom Massensterben betroffen waren, und entschlüsselte die gesamte Erbinformation, die in den Proben vorhanden war. Davon zogen die Forscher das Genom der Honigbiene ab - übrig blieben die Gensequenzen von fünf Bakterien, vier Pilzen und sieben Viren. Diese Sequenzen verglichen sie mit Proben aus 51 weiteren Stöcken. Während die meisten Mikroorganismen in gesunden und kranken Kolonien zu finden waren, kam IAPV in 25 von 30 kranken, aber nur in einer der 21 gesunden Kolonien vor.

Das Virus wurde vor drei Jahren zum ersten Mal von einem israelischen Forscher beschrieben. Erkrankte Bienen zittern mit den Flügeln, zeigen dann Lähmungs- erscheinungen und sterben wenige Tage nach der Infektion außerhalb des Stockes.

Der Stress gibt ihnen den Rest

Zwar deckt sich das nicht genau mit den Symptomen des Bienensterbens, es könne sich in den USA aber um einen anderen Virenstamm als in Israel handeln, so Cox-Foster.

Die Forscher fanden IAPV in sämtlichen Kolonien , die aus Australien importiert wurden. Möglicherweise könnte das Virus daher von dort eingeschleppt worden sein. Zeitlich decken sich die ersten Importe mit den ersten Berichten über das Bienensterben.

Schon überlegt das amerikanische Landwirtschaftsministerium, ob es Importverbote für Bienenvölker aus Australien verhängt. Noch hat es aber keine Entscheidung gegeben, da ein Aspekt die Import-Theorie stört: "In Australien gibt es trotz des Virus kein Bienensterben", sagt Jeffrey Pettis vom Bienenforschungslabor des Landwirtschaftsministeriums.

Pettis, der auch an der Studie mitgewirkt hat, ist daher der Ansicht, dass "IAPV nicht der alleinige Auslöser für das Bienensterben sein kann". Andere Stressfaktoren, die nur in den USA vorkämen, seien wohl beteiligt und würden dem Virus erst seine tödliche Wirkung verleihen.

Dazu würden Mangelernährung und Pestizide zählen, so Pettis. In Bienenstöcken seien rund 40 Chemikalien gefunden worden. Sie könnten das Immunsystem der Tiere schwächen und sie so für eine IAPV-Infektion empfindlich machen, sagt Diana Cox-Foster.

Auch die in den USA übliche Industrieimkerei, bei der Züchter ihre Bienenstöcke in Lkws transportieren, könnte die Tiere schwächen. Schon im Februar bestäuben die Bienen Mandelblüten in Kalifornien, danach Apfelbäume und Blaubeeren im Nordosten des Landes, später Zitronenbäume in Florida.

Die Transporte erhöhen auch das Infektionsrisiko, sagt Pettis: "Die Hälfte aller Bienenkolonien der USA überwintert in Kalifornien." Dennoch will das Landwirtschaftsministerium die Bienentransporte nicht verbieten, da "der Wert der Bestäubung höher ist als die Effekte, die erzielt würden, wenn das Bienensterben verhindert wird", so Pettis.

Die Forscher wollen nun gesunde Tiere mit dem Virus infizieren und so prüfen, ob IAPV tatsächlich der Auslöser des Bienensterbens ist. Das wäre eine gute Nachricht, denn ein Drittel aller in Israel untersuchten Bienen ist gegen IAPV resistent. Die Tiere haben das Virusgenom in ihr Erbgut eingebaut. "So könnte man Bienen züchten, denen das Bienensterben nichts mehr anhaben kann", sagt Cox-Foster.