Betrug in  der Wissenschaft Labor von Nobelpreisträger fälscht Studie

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) lassen sich zu vielen Zelltypen weiterentwickeln, etwa zu Neuronen.

(Foto: Reuters/Center for iPS Cell Research and Application, Kyoto University)
  • Ein japanischer Biomediziner hat in einer Publikation fast sämtliche Abbildungen gefälscht.
  • Das Institut, für das er arbeitet, wird von Shinya Yamanaka geführt, der 2012 den Nobelpreis für Medizin bekam.
  • Yamanaka entschuldigte sich bereits, die Instituts-Führung wird von japanischen Medien dennoch kritisiert.
Von Kathrin Zinkant

Die japanische Stammzellforschung hat abermals mit einem Skandal zu kämpfen. Wie ein Untersuchungskomitee der Tokyo University am Montag mitteilte, hat der Biomediziner Kohei Yamamizu vom Center for iPS-Cell Research and Application (CiRA) an der Kyoto University fast sämtliche Abbildungen einer Publikation in der Fachzeitschrift Stem Cell Reports gefälscht. Sowohl der Forscher, als auch das Team sollen nach Angaben des japanischen Bildungsministeriums nun bestraft werden.

Die Angelegenheit ist deshalb so delikat, weil Yamamizu die Fälschungen unter der Obhut des Nobelpreisträgers Shinya Yamanaka vorgenommen hat. Yamanaka war 2012 für die Entwicklung induzierter pluripotenter Stammzellen ausgezeichnet worden. Die Technik ermöglicht es, Körperzellen eines erwachsenen Menschen zu verjüngen. Dadurch werden die Zellen pluripotent, das heißt, sie lassen sich zu fast jedem bekannten Gewebetyp entwickeln. In vielen medizinischen Forschungsfeldern haben iPS-Zellen die ethisch umstrittenen Stammzellen aus menschlichen Embryonen ersetzt. Für Japan baut Yamanaka derzeit eine iPS-Biobank auf, die 90 Prozent der Bevölkerung mit Gewebeersatz versorgen soll. Seit 2010 steht er als Direktor dem CiRA vor.

Die Mitarbeiter stehen unter enormem Druck, Ergebnisse zu publizieren

In einem der vielen Labors genau dieses Vorzeige-Centers hatte auch Kohei Yamamizu geforscht. Er wollte Medikamente entwickeln, mit deren Hilfe die Blut-Hirnschranke durchlässig für Arzneien wird. Normalerweise schützt die Schranke das Gehirn vor Giften, viele Erkrankungen des Gehirns lassen sich aufgrund der Barriere aber nicht behandeln. In dem fraglichen Papier hatte Yamamizu dann im März 2017 als Erster das für seine Forschung nötige Versuchsmodell vorgestellt: eine Blut-Hirnschranke in der Petrischale, entwickelt aus menschlichen iPS-Zellen. In den Schlussfolgerungen seines Experiments schreibt er mit seinen zehn Ko-Autoren, dass sich der Mechanismus sowohl für die Erforschung der Blut-Hirnschranke, als auch für therapeutische Strategien nutzen lasse. Die Belege aus den Versuchen hat Yamamizu persönlich in fünf Grafiken dargestellt. Vier davon sind gefälscht. Zudem hat Yamamizu sieben Abbildungen im ergänzenden Anhang verändert.

Nobelpreisträger Shinya Yamanaka, der selbst nicht als Autor in der Veröffentlichung genannt ist, entschuldigte sich bereits am Montag persönlich für das Fehlverhalten seines Mitarbeiters. "Ich fühle mich als Direktor des CiRA verantwortlich dafür, dass ich wissenschaftliches Fehlverhalten an unserem Institut nicht verhindern konnte", sagte Yamanaka. Die Leitung des CiRA habe bereits Kontakt zu der Fachzeitschrift aufgenommen und strebe eine Rücknahme der Veröffentlichung an. Zudem sollen zahlreiche Überwachungs- und Bildungsmaßnahmen künftig helfen, einen weiteren solchen Zwischenfall am Institut zu vermeiden.

In den japanischen Medien kam jedoch auch Kritik an der Führungsriege des CiRA auf. Demnach haben 90 Prozent der Mitarbeiter nur zeitlich befristete Arbeitsverträge. Sie stehen deshalb unter enormem Druck, innerhalb dieses begrenzten Zeitraumes Aufsehen erregende Ergebnisse zu publizieren. Eine Entschuldigung für Fälschungen ist das zwar nicht. Allerdings könnte es eine Erklärung sein, warum der Skandal ausgerechnet am CiRA stattgefunden hat.