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Besiedelung Europas:Das gefundene Getreidekorn stammte wohl von weit her

Letztlich geht um die spannende Frage, wie der Übergang von der Mittelsteinzeit zum Neolithikum geschah, jener Epoche in der auch die Menschen in Europa sesshaft wurden. Dieser Übergang wird gern als Verdrängungswettbewerb geschildert. Die überlegenen Bauern aus dem fruchtbaren Orient, die dort vor 10 500 Jahren die Landwirtschaft erfanden, seien im Lauf der Jahrhunderte immer weiter nach Norden vorgedrungen, hätten ihre neue, überlegene Lebensform mitgebracht und die einheimischen Wildbeuter verdrängt. Doch möglicherweise existierten beide Lebensweisen eine Zeit lang nebeneinander und im Austausch. Und irgendwann - möglicherweise erst nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden - übernahmen die Einheimischen die Idee der Landwirtschaft und wurden sesshaft.

Diese Vorstellung wird nun gestützt durch die DNA-Analysen des Paläogenetikers Oliver Smith von der Universität von Warwick. Er bestimmte nicht nur das Alter des Weizens sondern zeigte zudem, dass das Einkorn vom Bouldnor Cliff genetisch betrachtet wohl aus der Region des Fruchtbaren Halbmonds im Nahen Osten stammt. Es zeigt jedenfalls keinerlei Übereinstimmung mit dem Genprofil von Getreide aus Nordeuropa oder Großbritannien.

Auch fanden sich sonst nirgendwo in der Nähe von Bouldnor Cliff irgendwelche Hinweise darauf, dass die Menschen vor 8000 Jahren in größerem Stil Weizen angebaut haben. "Das unerwartet frühe Auftauchen von Weizen in Großbritannien sollte bewirken, dass wir neu über die Intensität der Beziehung zwischen frühen Bauern sowie Jägern und Sammlern nachdenken und generell über die Anfänge der sesshaften bäuerlichen Gemeinschaften in Europa", schreibt der britische Paläogenetiker Greger Larsen von der Universität Oxford in einem Begleitkommentar zu der Studie in der Zeitschrift Science.

© SZ vom 27.02.2015

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