Bedroht durch Weltraumschrott Internationale Raumstation evakuiert

Noch mal gutgegangen: Ein Stück Weltraumschrott hat die ISS nur um 250 Meter verfehlt. Angesichts der Bedrohung hatte sich die Besatzung bereits in die Sojus-Kapseln zurückgezogen.

Erneut hat Weltraumschrott die Internationale Raumstation bedroht. Da die Trümmer zu spät bemerkt worden seien, habe die 110 Meter breite ISS nicht mehr ausweichen können, sagte ein Mitarbeiter des Flugleitzentrums bei Moskau.

Immer wieder kommt Weltraumschrott der Internationalen Raumstation ISS bedrohlich nahe.

(Foto: dpa)

Die sechs Besatzungsmitglieder zogen sich zur Sicherheit in die beiden angekoppelten Sojus-Kapseln zurück. Das unbekannte Bruchstück sei in nur 250 Meter Entfernung vorbeigeflogen, meldete die russische Agentur Interfax.

Vor zweieinhalb Wochen hatte eine russische Sojus-Kapsel mit drei Besatzungsmitgliedern an der ISS angedockt. Der russische Kosmonaut Sergej Wolkow, der US-Astronaut Mike Fossum und der Japaner Satoshi Furukawa verstärkten die bis dahin dreiköpfige Besatzung, bestehend aus dem Amerikaner Ronald Garan und den zwei Russen Alexander Samokutajew und Andrej Borissenko.

Inzwischen umkreisen etwa eine halbe Million Trümmer die Erde, darunter fast 20.000 Teile mit einer Größe von mehr als zehn Zentimetern. Dazu gehören ausgebrannte Raketenstufen und ausgemusterte oder zerstörte Satelliten.

Die größten Teile werden überwacht. Wird festgestellt, dass sich Trümmer auf Kollisionskurs mit der ISS befinden, kann die Raumstation Ausweichmanöver vollziehen. Dafür waren die Trümmerteile diesmal allerdings zu spät entdeckt worden.

Bereits im April hatten sich die Astronauten auf eine Evakuierung vorbereitet, da Teile zweier Satelliten, die 2009 zusammengestoßen waren, sich der ISS genähert hatten.

Im Juli 2010 hatten Trümmer eines zerstörten chinesischen Satelliten die ISS, die in einer Höhe von etwa 350 Kilometer um die Erde kreist, knapp verfehlt. Im Dezember hatte dann ein seit zwölf Jahren um die Erde kreisendes Teil einer US-Rakete vom Typ Atlas-2A Alarm ausgelöst.

Im März 2009 musste sich die Besatzung in eine Rettungskapsel zurückziehen, weil ein Teil eines alten Satelliten gefährlich nahe an die ISS herangekommen war. Wenig später hatte ein weiteres Stück eines zerstörten chinesischen Satelliten die Bahn der Station gekreuzt, die deshalb ihren Kurs änderte.

Im September 2009 war die Station dann einem Trümmerstück einer europäischen Ariane-5-Rakete begegnet - zum Glück in einem ausreichend großen Abstand.

Und 2008 hatte die Nasa berichtet, Trümmer eines explodierten russischen Militärsatelliten würden die ISS bedrohen - was Russland allerdings dementiert hatte.

2007 musste der US-Astronaut Rick Mastracchio einen Außeneinsatz an der ISS abbrechen, weil ein kleines Stück Weltraumschrott einen Krater in einen Haltegriff geschlagen hatte. Die scharfen Kanten des Kraters hatten drei der fünf Lagen seines Handschuhs zerschnitten.

Fotos von der ISS

Leuchtende Erde, strahlende Atmosphäre