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Pyrozän:"Wir müssen mit dem Feuer leben"

Buschbrände in Australien

Dichte Rauchwolken steigen über einem Wald in Australien auf, in dem ein Wildfeuer wütet.

(Foto: dpa)

Feuerökologe Johann Goldammer spricht über die Brände in Australien, die fatale Vernachlässigung von Prävention und erklärt, warum das Zeitalter des Feuers aus seiner Sicht bereits begonnen hat.

Schon seit Oktober 2019 dauern die Buschbrände in Australien an. Johann Goldammer leitet die Arbeitsgruppe Feuerökologie des Max-Planck-Instituts für Chemie und das Global Fire Monitoring Center (GFMC), angesiedelt an der Universität Freiburg. Das GFMC gehört zur UN-Strategie für Katastrophenvorsorge. Goldammer ist ein weltweit angesehener Waldbrand-Experte.

SZ: In Australien sind mittlerweile 8,5 Millionen Hektar Fläche verbrannt, und die Brände wüten immer noch. Auch in anderen Teilen der Welt hat es im vergangenen Jahr heftig gebrannt. Was ist da los?

Johann Goldammer: Einerseits ist die Aufmerksamkeit größer geworden. Phänomene wie Feuertornados werden mit Smartphones dokumentiert, Medien tragen die Bilder innerhalb von Sekunden in die Weltöffentlichkeit. Das löst natürlich Besorgnis aus. Aber wahr ist auch: Der Klimawandel hat die Rahmenbedingungen verändert. Früher gab es etwa in Kalifornien eine klare Feuersaison in den Sommermonaten, jetzt brennt es fast das ganze Jahr lang. In Australien ist es extrem trocken und heiß, das verschärft natürlich die Situation. Die ganze Entwicklung läuft in die Richtung, die die Klimaforschung vorhergesagt hat: Wetterextreme wie sehr lange Trockenzeiten bestimmen das Geschehen.

Interview am Morgen

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Kann man etwas tun, um solche Katastrophen zu verhindern?

Australien ist ein Feuerkontinent, es brennt dort seit Jahrmillionen. Schon die Aborigines haben Brände gelegt, um die Buschlandschaft für die Jagd offen zu halten. Früh in der Trockenzeit gelegte Feuer lassen spätere Brände weniger mächtig werden, weil ihnen die Nahrung fehlt. Auch heute wären solche kontrollierten Feuer oft sinnvoll, denn sie verhindern Schlimmeres. Aber der Ansatz trifft auf große Vorbehalte in der Bevölkerung, weil Brände natürlich zu Rauchbelastung führen. In unserer anthropozentrischen Weltsicht fällt es schwer, einzusehen, dass wir Naturgewalten wie Feuer nicht immer besiegen können - oder dass wir mit dem Feuer leben müssen.

Gibt es weitere Präventionsmaßnahmen?

Auch gezielte Nutzung der pflanzlichen Biomasse wäre sinnvoll, oder mehr Beweidung, auch im Wald. Positiv ist, dass heute viele Siedlungen in Australien bereits so gestaltet sind, dass weniger Menschen in Bränden sterben als früher. Denn schöne grüne Bäume ums Haus, Strukturen aus Holz, Dachrinnen, in denen das Laub liegenbleibt und Klimaanlagen, die Funken nach innen ziehen: Das sind praktisch Garanten dafür, dass das Haus abbrennt. Und wenn man nicht feuersicher bauen will oder kann, sollte man wenigstens für sichere Schutzräume sorgen, in denen Menschen das Feuer überstehen können.

Sollte man also lieber Prävention betreiben, statt in Löschflugzeuge zu investieren?

Das eine muss das andere nicht ausschließen. Wenn es brennt, steht das Retten von Menschenleben an erster Stelle, dann kommt der Schutz von Häusern und kritischer Infrastruktur, und erst dann die Vegetation. In dieser Kette haben Löschflugzeuge ihren Platz. Aber insgesamt kommen Maßnahmen der Prävention zu kurz oder werden überhaupt nicht bedacht. Stattdessen setzt man auf politisch gut sichtbare, emotionale Symbole der paramilitärischen Bekämpfung von Feuer - dafür sind Löschflugzeuge besonders geeignet.

Sie sind einer jener Forscher, die für das anbrechende Erdzeitalter den Begriff "Pyrozän" verwenden, das Zeitalter des Feuers. Was bedeutet das?

Der Begriff steht für das, was wir gerade in Australien sehen: Aufgrund der Interaktion zwischen Natur, menschlichem Handeln und den Auswirkungen des Klimawandels nehmen unkontrollierbare Großbrände weltweit zu. In manchen Regionen bestimmt die Macht des Feuers damit die Entwicklung und das Schicksal der Vegetation. Die Frage ist nur, wie lange dieses Zeitalter andauern wird. Wenn nichts mehr zum Verbrennen da ist, ist es vorbei.

Ist das nicht sehr pessimistisch?

Wir sehen etwa in Zentralasien schon heute die Folge von exzessiver Waldnutzung. Die Kombination von Großkahlschlägen, Feuer und zunehmender Erwärmung der Region führt dazu, dass der Wald sich nicht mehr regenerieren kann und Steppen sich ausbreiten. Wenn auf diese Entwicklung weitere Degradation, Erosion und Wüstenbildung folgen, dann endet das Pyrozän. Es liegt in unserer Verantwortung, das zu verhindern.

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