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Ausgestorbene Vierbeiner:Forscher lösen Rätsel um bizarre Urtiere

Macrauchenia

Gehört zu den südamerikanischen Huftieren, die vor einigen Millionen Jahren ausstarben: das Macrauchenia

(Foto: dpa)
  • Einem internationalen Forscher-Team ist es gelungen, ein evolutionäres Rätsel um zwei bizarre Wesen aus Südamerika zu lösen.
  • Die Wissenschaftler konnten die ausgestorbenen Huftiere in den Stammbaum der Säugetiere einordnen.
  • Bei den Tieren handelt es sich um den Toxodon, eine Art Nashorn mit Flusspferdkopf, und das Macrauchenia, einem kamelartigen Wesen.
  • In Zukunft wollen die Paläontologen auch andere Knochen-Eiweiße für ihre Untersuchungen heranziehen.

Ausgestorbene Wesen gehören zum Stammbaum der Säugetiere

Wissenschaftler haben ein jahrzehntealtes Rätsel um zwei bizarre Wesen aus Südamerika gelöst. Dem internationalen Team ist es gelungen, die ausgestorbenen Huftiere in den Stammbaum der Säugetiere einzuordnen. Die Rede ist von Toxodon, eine Art Nashorn mit Flusspferdkopf, und von Macrauchenia, einem kamelartigen Wesen.

Seit langer Zeit ist umstritten, ob Toxodon und Macrauchenia eher mit heutigen Unpaarhufern wie Pferden und Nashörnern verwandt sind oder mit den Afrotheria, zu denen etwa Elefanten gehören. Weder morphologische Untersuchungen noch Studien mit Erbgut konnten diese Frage bislang beantworten. "Bei allen älteren Fossilien ist die genetische Information durch die natürliche radioaktive Hintergrundstrahlung zerstört", sagt Thomas Martin von der Universität Bonn.

Eine verbesserte Methode brachte nun die Lösung: Demnach sind die bizarren Urtiere offenbar eng mit Pferden, Nashörnern und Tapiren verwandt - aber nicht mit Elefanten.

48 Knochenproben untersucht

Das Forscher-Team um Ian Barnes vom Natural History Museum in London hatte Kollagen aus 48 Knochenproben von Toxodon und Macrauchenia untersucht. Kollagen ist ein Struktureiweiß, das in unterschiedlichen Geweben des Körpers wie Knochen oder Bindegewebe vorkommt. "Kollagen ist für uns besonders interessant, weil es viel langsamer als DNA und als andere Eiweiße zerfällt", erläuterte Mitautor Frido Welker vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Die Analyse des Kollagens der Urtiere und der Vergleich seiner Proteinstruktur mit dem Kollagen heutiger Säuger brachte schließlich Gewissheit über die Verwandtschaftsverhältnisse. Grundsätzlich sei die Methode nicht neu, erklärte Welker. "Wir haben sie jedoch so verbessert, dass wir 90 Prozent der Sequenz des Kollagens analysieren konnten."

In Zukunft wollen die Paläontologen auch andere Knochen-Eiweiße für ihre Untersuchungen heranziehen. "Außerdem wollen wir versuchen, noch ältere Proben mithilfe fossiler Proteine zu analysieren", sagte Welker.

Lamas sind in Südamerika junge Einwanderer

Südamerikanische Huftiere bildeten ab dem Paläozän, also vor etwa 60 Millionen Jahren, eine riesige, sehr vielfältige Gruppe heute ausgestorbener Säugetiere. Sie lebten isoliert in Südamerika. "Die heutige Säugetierwelt Südamerikas hat mit der früheren stammesgeschichtlichen Entwicklung auf diesem Kontinent ganz wenig zu tun", sagt Martin. "Vikunjas oder Lamas, die man heute als die dortigen Charaktertiere ansieht, sind ganz junge Einwanderer. Mehrere Millionen Jahre lang war die Fauna von den Notoungulaten dominiert."

Notoungulaten sind eine der fünf Untergruppen der Südamerikanischen Huftiere. Dazu zählt auch der Toxodon, der vermutlich bis zu zwei Tonnen wog. Zur Untergruppe der Litopterna gehören kamelartige Säuger wie die Macrauchenia. Bereits Charles Darwin hatte in Südamerika Knochen der Macrauchenia und des Toxodon gefunden - letztere zählte er zu den "seltsamsten jemals entdeckten Tieren".