PhysikWie man Atomwaffen im Weltall aufspürt

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Start einer Space-X-„Falcon 9“-Rakete am 9. Juli 2026, Cape Canaveral, Florida, USA.
Start einer Space-X-„Falcon 9“-Rakete am 9. Juli 2026, Cape Canaveral, Florida, USA. Jennifer Briggs/IMAGO/ZUMA Press Wire
  • Ein MIT-Forscher stellt eine neue Methode vor, mit der verdächtige Satelliten auf spaltbares Material überprüft werden können.
  • Das Verfahren erkennt Neutronen, die entstehen, wenn energiereiche Protonen aus dem All auf Uran- oder Plutoniumatome stoßen.
  • Ein kleiner Spürsatellit könnte aus vier Kilometern Entfernung binnen einer Woche Kernwaffenmaterial mit über 99 Prozent Wahrscheinlichkeit nachweisen.
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Ein neues Sensorsystem soll helfen, Satelliten im All auf verstecktes Kernwaffenmaterial zu überprüfen. Doch die Technik hat Schwächen.

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Die Zündung einer Atombombe in der Erdumlaufbahn könnte heutzutage katastrophale Folgen für die Menschheit haben: Bereits im Jahr 1962 machte der US-amerikanische Kernwaffentest „Starfish Prime“ rund 400 Kilometer über dem Pazifik viele der damals noch sehr überschaubaren Satelliten funktionsunfähig. Heutzutage könnte die Explosion einer Atombombe im Orbit viele Satelliten beschädigen – und etwa GPS, Telekommunikation und weltraumgestütztes Internet sabotieren.

Seit 1967 regelt der Weltraumvertrag (Outer Space Treaty; OST) die Nutzung des Weltalls durch die Staatengemeinschaft. Dem Abkommen, das ein Verbot von Atomwaffen im Weltraum enthält, sind bislang 118 Staaten beigetreten, darunter die USA, Russland und China. Doch wird es auch eingehalten?

Für Misstrauen sorgte etwa, dass Russland kurz vor dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 den Satelliten Kosmos 2553 in eine Umlaufbahn von etwa 2000 Kilometern Höhe brachte, wo besonders viele hochenergetische Teilchen zirkulieren. „Die Russen haben diesen Satelliten in eine sehr merkwürdige und ungewöhnliche Umlaufbahn gebracht“, sagt Areg Danagoulian vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge in einer Pressemitteilung. Wegen der starken Radioaktivität würde dort niemand einen Satelliten platzieren – es sei denn, man wolle Elektronen einfangen, um eine thermonukleare Waffe zu zünden, erklärte der MIT-Forscher. Zuverlässige Prüfmechanismen für den Weltraumvertrag könnten dafür sorgen, dass Länder gar nicht erst versuchten, den Vertrag zu verletzen, so Danagoulian weiter.

Entscheidungshilfe für künftige politische Maßnahmen

Der Kernphysiker stellt nun im Fachjournal Nature eine Methode vor, die verdächtige Satelliten darauf überprüfen kann, ob sie spaltbares Material für eine Atomexplosion an Bord haben. Sein Verfahren erkennt Neutronen, die entstehen würden, wenn energiereiche Protonen aus dem All auf Uran- oder Plutoniumatome stoßen. Dies ist jedoch keineswegs trivial, wie der Autor in Nature betont. Daher seien Vorrichtungen nötig, um die verschiedenen Teilchen und ihre jeweiligen Quellen voneinander zu unterscheiden.

Zudem müsste das Messinstrument in zwei Ebenen angeordnet werden, sodass sich der Streuwinkel und die Einfallsrichtung der ankommenden Neutronen bestimmen lassen. Damit könnten auch jene Neutronen aussortiert werden, die nicht aus einem verdächtigen Satelliten stammen.

Aber wie ließe sich ein verdächtiger Satellit in der Praxis überprüfen? Dafür genügen würde dem Autor zufolge bereits ein kleiner Satellit mit einer Detektionseinheit von der Größe eines dicken Buchs. Eine Entfernung von vier Kilometern zu dem verdächtigen Objekt würde nicht zu diplomatischen Problemen führen, argumentiert er und führt Beispiele an, in denen die Annäherung zweier Satelliten auf ähnliche Distanzen nicht zu Komplikationen geführt hatten.

Allerdings: In diesem Fall müsste der „Spürsatellit“ etwa eine Woche lang messen, um Kernwaffenmaterial mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99 Prozent nachzuweisen. Mit zehn Satelliten ließe sich die Messzeit auf 15 Stunden reduzieren. Und wenn man diese Konstellation nur einen Kilometer entfernt vom verdächtigen Satelliten platzieren würde, auf eine Stunde.

In einem Nature-Kommentar schreibt Angela Di Fulvio von der University of Illinois in Urbana-Champaign, Danagoulians Studie biete eine technische Grundlage für die passive Detektion und könne als Entscheidungshilfe für künftige politische Maßnahmen dienen. „Aus politischer Sicht sollten künftige Analysen auch untersuchen, wie sich das Konzept unter weniger idealen Bedingungen bewährt“, betont sie. Als Beispiele dafür nennt sie mögliche Ausweichmanöver von verdächtigen Satelliten oder das Vorhandensein anderer, nicht spaltbarer Materialien, die ähnliche Neutronensignaturen wie Uran erzeugen könnten.

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