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Atommülllager Asse:"Erstaunlich und spannend"

Auch die Europäische Atomgemeinschaft, die Kernbrennstoffbilanzen für jede atomare Anlage führe, und das Kernforschungszentrum Karlsruhe als Dreh- und Angelpunkt für die Mülllieferungen in die Asse hielten Akten zurück. Dort im Badischen ist nicht nur eigener Müll für die Asse angefallen, dort wurde auch der Müll von anderen Standorten verpackt und weiter verschickt. Wenzel: "Wir wollen endlich wissen, was wirklich dort unten liegt." Denn nur dann weiß man auch, was nicht in das Bergwerk gekippt worden ist.

Die Spurensuche anhand nur eines Zeitungsartikels ist schwierig. Wie weit die Deutschen einst mit ihrem Uranbomben-Projekt waren, gehört ohnehin zu den nicht abschließend geklärten Fragen der Geschichte.

Das Forschungsamt für Militärgeschichte in Potsdam vermutet, mit dem Atombomben-Zitat aus der HAZ konfrontiert, dass es sich bei den Kriegsabfällen wohl um Leuchtfarbe gehandelt habe, die tonnenweise auch im Zweiten Weltkrieg zur Markierung von Kompassnadeln und Fahrzeugen verwendet worden sei - und die leicht radioaktiv strahlte.

In Sachen Bomben-Uran empfiehlt das Amt den Wirtschaftshistoriker Rainer Karlsch. Er stellt in dem umstrittenen Buch "Hitlers Bombe" die Theorie auf, die Deutschen hätten 1945 eine Atombombe getestet - eine Ansicht, der aber kein anderer Forscher folgt.

Auch Karlsch erwartet, dass man Alwin Urff schwer wird bestätigen oder widerlegen können, findet dessen Zitat aber "ganz erstaunlich und spannend". Es ergäben sich daraus viele Fragen: wo solcherlei Uran bis zur Versenkung in der Asse genau gelegen habe, wer es dort eingelagert habe und wer schließlich die Weiterleitung ins niedersächsische Endlager zu verantworten habe.

Aufklärung könnten nur die Einlieferungsbelege bringen - doch deren Existenz ist unklar. In der so genannten Erprobungsphase der Asse, in den ersten Jahren, sind viele Fässer undokumentiert eingelagert worden.

Darüberhinaus behauptet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), heute in Nachfolge des GfS und des Helmholtz-Zentrums für die Asse verantwortlich, aus der vom Helmholtz-Zentrum übergebenen Dokumentation gingen die Absender der Lieferungen nicht immer eindeutig hervor.

Ehemalige Asse-Verantwortliche beim Helmholtz-Zentrum wiederum verweisen auf eben diese Unterlagen beim BfS. Darüberhinaus verwischten Spuren durch das Umpacken in der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe.

So bleibt wohl ein Teil des Asse-Geheimnisses im Grab von Alwin Urff.