Atomkraft vs. erneuerbare Energien:Munition für Skeptiker der Alternativen Energien

Derzeit wird vor allem auf Anlagen im Meer gesetzt. Allein in der Nordsee ist ein Zubau von 28 Gigawatt geplant; da macht die Verbindung zu den Speicherkapazitäten in Norwegen Sinn. Onshore sind in Deutschland Windkraftwerke installiert, die 2011 neun Prozent des deutschen Stromverbrauchs gedeckt haben. Mit dem Offshore-Zubau könnte sich der Strom aus Windkraft bis 2020 verdoppeln. Das lässt das Energiekonzept der Bundesregierung realistisch aussehen, das vorsieht, 35 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien zu beziehen.

Winterhagen selbst schreibt das nicht, er blickt diesbezüglich nicht in die Zukunft; er erörtert weder das Energiekonzept der Bundesregierung noch die Untersuchung des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung von 2010, auf der das Energiekonzept basiert.

Das Fazit: Winterhagen legt ein gut geschriebenes Buch zum Durcharbeiten vor. Man möchte es Politikern empfehlen, die, bevor sie im Bundestag auftreten, erst einmal Grundwissen tanken wollen. Munition liefert es aber eher jenen, die die erneuerbaren Energien mit Skepsis betrachten.

Robert B. Laughlins Buch ist anders gestrickt. Der Autor stellt sich als Naturliebhaber vor, der Mammutbäume pflanzt, "wann immer meine Frau mir das durchgehen lässt", aber auch als "Professorentyp, der die Dinge einfach und klar erläutert und den anderen dabei in die Lage versetzt, selbst gute Entscheidungen zu treffen". Das Buch lebt von dieser sympathischen amerikanischen Schreibweise, die den Wissenschaftler nur ab und an durchscheinen lässt - zum Ausgleich wird der Leser mit einem Anmerkungsapparat von 160 Seiten beglückt.

Das Buch ist aus einer Science-Fiction-Perspektive verfasst: Die Welt in zweihundert Jahren. Warum Laughlin allerdings schon im zweiten Kapitel "geologische Zeitskalen" ausbreitet, mit der Mitteilung, dass die seit dem Aussterben der Dinosaurier gefallene Regenmenge alle Ozeane zwanzigtausend Mal füllen könnte, erschließt sich nicht.

Ähnlich behandelt er das CO2-Problem: Die Erde habe vor, den größten Teil des Kohlendioxids innerhalb etwa eines Jahrtausends in ihren Ozeanen zu lösen. Da spiele doch der Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde um mehrere Grad nur eine geringe Rolle. - Die Jahrmillionen alte Geschichte der Erde gibt in der Tat Stoff für viele interessante Erkenntnisse. Aber welchen Bezug diese zur Energiekrise oder gar zum Titel der deutschen Ausgabe "Der Letzte macht das Licht aus" haben, erschließt sich nicht.

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