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Atomkatastrophe in Fukushima:Die Strahlung ist noch höher

Zehn Sievert pro Stunde hatte ein Arbeiter in der Atomruine Fukushima vor einigen Tagen gemessen - ein schockierender Rekordwert. Doch die Strahlung dürfte noch höher liegen: Die Skala des Messgeräts reichte gar nicht weiter.

Der Strahlenwert von zehn Sievert pro Stunde, der in der Ruine des Atomkraftwerks Fukushima-1 gemessen wurde, liegt vermutlich noch deutlich unter der tatsächlichen Strahlung, die dort an einem Abluftkamin frei wird.

Das Messgerät (am Ende der Stange), mit dem die extrem hohe Strahlung gemessen wurde, war nicht in der Lage, höhere Werte als zehn Sievert pro Stunde zu messen. Vermutlich liegt die Strahlung demnach noch höher.

(Foto: AFP)

Denn die Skala des Messgeräts, das eingesetzt wurde, reichte gar nicht weiter als bis zu zehn Sievert. Es sei nicht zu leugnen, dass der tatsächliche Wert wohl weit darüber liege, sagte ein Sprecher des Kraftwerkbetreibers Tepco.

Das Unternehmen erwäge nun, die Messung mit besser geeigneten Geräten zu wiederholen. Tepco bestätigte die Vermutung, die ein Sprecher der deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit in der Süddeutschen Zeitung geäußert hatte: Möglicherweise sei die hohe Strahlung an dem Rohr in den ersten Tagen des Unglücks entstanden, als radioaktiver Dampf aus Block 1 abgelassen wurde.

Mit dem ausströmenden Dampf sei radioaktives Material entwichen, dass sich wohl zum Teil im Rohr abgelagert habe. Wahrscheinlich sei an dieser Stelle jetzt zum ersten Mal gemessen worden.

Die Radioaktivität dort wird nach Experten-Einschätzung aber wahrscheinlich nicht in die Umgebung getragen. "Wir sind ziemlich sicher, dass es sich hier nicht um eine Freisetzung von Stoffen in die Umwelt handelt", sagte Sven Dokter von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS).

So war schon die Strahlenbelastung, der der Arbeiter bei der Messung selbst ausgesetzt gewesen war, erheblich niedriger.

Wären größere Mengen so stark strahlender Stoffe freigesetzt worden, hätte man demnach in der Umgebung ebenfalls höhere Strahlenwerte messen müssen.

Direkt an der Strahlungquelle wäre man allerdings in großer Gefahr. Wenn ein Mensch etwa eine halbe Stunde zehn Sievert ausgesetzt ist, hat er ohne Behandlung nur eine 50-prozentige Chance, die nächsten vier Wochen zu überleben.

Auch in einem Raum von Block 1 soll die Strahlung stark erhöht sein. Durch diesen Raum führen nach seinen Angaben Leitungen zur Druckentlastung. "In den ersten Tagen nach dem Unglück wurde Druck aus den Behältern abgelassen, das heißt, ein sehr hoch kontaminiertes Gemisch von Stoffen ist durch diese Leitungen und von dort durch den Schornstein gegangen", erläuterte der GRS-Sprecher.

"Da liegt die Vermutung nahe, dass sich an den Innenwänden der Leitungen und des Kamins radioaktive Stoffe festgesetzt haben. Das ist die klassische Kontamination: Radioaktive Stoffe setzen sich auf Flächen ab." Dies sei vergleichbar mit einem Kamin, bei dem sich an verschiedenen Stellen Ruß ablagere.

Aus der Atomruine gelangt seit einem Megabeben und einem darauf folgenden Tsunami am 11. März radioaktives Material in die Umwelt. Zehntausende Menschen mussten die Region deshalb verlassen.