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Atomendlager Asse:Deutschlands schwarzes Loch

Im Atommülllager Asse wurde offenbar alles Mögliche verstaut. Wie viel Giftmüll noch unter Tage lagert, ist unklar - doch sicher ist: die Behälter müssen dort wieder raus.

Für das Atomendlager Asse hat ein Unions-Abgeordneter noch 2007 die hübsche Devise ausgegeben: Klappe zu, Affe tot. Um ein Haar wäre es so gekommen; das "Langzeitsicherheitskonzept" der Münchner Helmholtz-Gesellschaft sah genau das vor.

Giftmüll unter Tage: Ein Behälter mit kontaminierter Natriumchlorid-Lauge im ehemaligen Salzbergwerk Asse II.

(Foto: Foto: ddp)

Das Endlager, so wollten es seine damaligen Betreiber, sollte rasch verfüllt werden. Inzwischen spricht viel dafür, dass es weniger um die Sicherheit von Mensch und Umwelt ging, sondern mehr um den Schutz der Betreiber vor unliebsamen Entdeckungen.

Was im Einzelnen in dem niedersächsischen Endlager vor sich ging, lässt sich normalen Menschen kaum noch erklären. 125.787 Fässer mit radioaktivem Müll wurden dort teils in Kammern gestapelt, teils mit Baggern hineingepresst. Manche Kammern sind schon mit Salz verfüllt, in anderen droht das Deckgebirge einzustürzen.

Dennoch galt das Endlager bis Anfang der siebziger Jahre als "jahrhundertelang sicher". Keine 20 Jahre später strömte Wasser in das Bergwerk ein, die Stabilität des Bergwerks ist in Gefahr. Das allein ist schlimm genug - aber es wird noch unappetitlicher.

Ein knappes halbes Jahr nach Öffnung der Asse, im September 1967, nahmen die Verantwortlichen erstmals ein Fass mit Pestiziden entgegen. Wie viel Giftmüll noch unter Tage lagert, ist unklar. Anscheinend war das schwarze Loch Asse offen für alles Mögliche. Und weil so lange Vertuschung das oberste Prinzip in der Asse war, ist alles Vertrauen in die damaligen Betreiber inzwischen verloren.

Es wird, wenn sich das Bergwerk noch stabilisieren lässt, kein Weg daran vorbei führen: Die Fässer müssen wieder raus aus der Asse. Das wird nicht billig. Es nicht zu versuchen, wäre verantwortungslos.