bedeckt München 15°

Astrophysik:Dem Schwarzen Loch entronnen

Eine kosmische Staubwolke ist sehr nah am gigantischen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße vorbeigeschrammt - und hat den Trip wider Erwarten heil überstanden.

Eine kosmische Staubwolke ist sehr nah am gigantischen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße vorbeigeschrammt - und hat den Trip wider Erwarten heil überstanden. Mit den detailliertesten Aufnahmen, die je von einem solchen Vorbeiflug gemacht wurden, bestätigt ein Team um Monica Valencia von der Universität Köln im Astrophysical Journal frühere Messungen anderer Forscher.

Die Forscher hatten die Staubwolke namens G2 auf ihrem riskanten Kurs um die Mitte der Milchstraße seit Jahren verfolgt. Wie die meisten anderen Galaxien hat auch die hiesige Milchstraße ein sehr massereiches Schwarzes Loch in ihrem Zentrum, das alles verschluckt, was ihm zu nahe kommt, und auch auf weiter entfernte Objekte zerstörerische Gezeitenkräfte ausübt. Im Mai 2014 beobachteten die Forscher, wie die Wolke das Schwarze Loch in einer Entfernung von nur etwa 24 Milliarden Kilometern passierte, nach astronomischen Maßstäben ein Streifschuss: In den vergangenen Jahrzehnten kamen nur zwei Sterne dem Schwarzen Loch noch näher.

Eigentlich hatten Astronomen erwartet, dass der Gaswolke ihr Manöver schlecht bekommen würde. Durch die extreme Gravitation in der Nähe des Schwarzen Loches, das etwa vier Millionen Mal die Masse der Sonne enthält, sollte die Gaswolke aufgeheizt, komprimiert und gleichzeitig Spaghetti-gleich in die Länge gezogen werden. Nach und nach, nahmen die Forscher an, könnte sich das mangels verfügbarer Masse sonst fastende Schwarze Loch Teile der zerfetzten Wolke einverleiben, begleitet von auffälligen Strahlungsausbrüchen.

Tatsächlich jedoch geschah nichts davon, die Wolke ist offenbar ziemlich intakt geblieben, auch das Schwarze Loch hat nicht auf sich aufmerksam gemacht. Als Grund vermuten die Forscher, dass die vermeintliche Wolke tatsächlich ein von Staub umgebener junger Stern ist.