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Astronomie:Wie ein Schwarzes Loch aussieht

So schön kann es nur Hollywood: Das Schwarze Loch in "Interstellar".

(Foto: oh)
  • Astronomen haben erstmals versucht, das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße zu fotografieren.
  • Für das Experiment wurden einige der stärksten Radioteleskope der Welt zusammengeschaltet.
  • Das Ergebnis steht noch aus, die Daten der Teleskope werden nun ausgewertet.
  • Vermutlich sieht das Objekt ähnlich aus wie das schwarze Loch im Film "Interstellar": In der Mitte völlig schwarz, außen ein kreisrunder Ring aus Gas und Staub.

Es gleicht einem Ding der Unmöglichkeit, was Astronomen weltweit in der Woche vor Ostern versucht haben: eine direkte Aufnahme von Sagittarius A* zu machen, dem riesigen schwarzen Loch mit vier Millionen Sonnenmassen, das im Zentrum der Milchstraße vermutet wird. Denn das ist ja gerade das Besondere an einem schwarzen Loch, dass nichts entfliehen kann, was ihm zu nahe kommt, nicht einmal das Licht. Wie will man so ein Nichts fotografieren?

Doch ein schwarzes Loch sammelt Materie um sich herum und macht sich so indirekt bemerkbar. Daher erhoffen sich Forscher bahnbrechende Erkenntnisse von den Messungen des Event Horizon Telescope (EHT). Eine erste Zwischenbilanz ist ermutigend: Viel besser hätte die Sache nicht laufen können.

Die starke Gravitation eines schwarzen Lochs sorgt dafür, dass es von einer sogenannten Akkretionsscheibe aus Gas und Staub umgeben ist, ähnlich wie die Ringe des Saturn. "Wir nehmen aber an, dass das Licht rund um das schwarze Loch gebeugt wird", sagt Eduardo Ros vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, der an dem Projekt beteiligt ist. "Die Akkretionsscheibe müsste dann wie eine verformte Hutkrempe aussehen."

Das Schwarze Loch müsste aussehen wie eine fliegende Untertasse

So ähnlich also wie das schwarze Loch Gargantua im Film "Interstellar" von 2014: In der Mitte ein schwarzer Fleck, der dem sogenannten Ereignishorizont entspricht ("Event Horizon") - was dahinter verschwindet, kann nicht mehr entkommen, egal ob Licht oder Materie. Rund um diesen Fleck aber sollte der Gasring sichtbar sein, und zwar wegen der Lichtbeugung stark verzerrt, sodass das Ganze aussieht wie eine fliegende Untertasse.

Noch nie wurde eine solche Aufnahme gemacht; die Auflösung und Empfindlichkeit bisheriger Teleskope reichte dafür nicht annähernd aus. Erst mit dem EHT kommt sie in den Bereich des Möglichen. Dahinter verbirgt sich nicht etwa ein neues technisches Wunderwerk, sondern ein virtuelles Teleskop, acht Radioteleskope wurden zusammengeschaltet. Darunter sind die leistungsfähigsten Instrumente der Welt, etwa das erst 2014 komplettierte Alma-Teleskop in der chilenischen Atacama-Wüste und das 30-Meter-Teleskop des deutsch-französisch-spanischen Iram-Observatoriums in der Sierra Nevada. Insgesamt ist es durch die weite Verteilung der Teleskope für die Forscher fast so, als würden sie mit einer Teleskopschüssel von der Größe der Erde ins All schauen. Dazu hat man nicht alle Tage Gelegenheit.

Eduardo Ros jedenfalls ist sehr zufrieden, das Wetter war perfekt. "Es ist das erste Mal, dass wir direkt ein Bild eines schwarzen Loches machen können, das ist schon für sich etwas sehr Schönes", sagt er. "Wenn es dann noch Überraschungen gibt, wird uns das erst einmal Kopfschmerzen bereiten, aber das wäre dann natürlich noch spannender." Aber die Arbeit beginnt erst. Nun werden die Festplatten eingesammelt, auf denen die Teleskope ihre Daten gespeichert haben. Teils wird das noch dauern, etwa beim Teleskop in der Antarktis, das erst im antarktischen Frühjahr wieder zugänglich ist. Dann werden die Daten mit zwei Superrechnern ausgewertet, in Bonn und am Haystack Observatory in den USA.

Am Ende soll eine sensationelle Auflösung von 25 Mikrobogensekunden herauskommen - das würde ungefähr reichen, um einen Tischtennisball auf dem Mond auszumachen. Der Horizont von Sagittarius A* indes dürfte zwar Millionen Kilometer messen, ist aber mit 26 000 Lichtjahren auch noch etwas weiter entfernt als der Erdtrabant. Darum wird das ersehnte Bild auch mit allen technischen Tricks wohl nur aus ein paar Pixeln bestehen. Aber immerhin.

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