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Astronomie:Sonnensturm schwächer als erwartet - aber keine Entwarnung

Glimpflich davongekommen: Die Satelliten im All haben den Sonnensturm am Wochenende ohne Schäden überstanden, das Phänomen war schwächer als erwartet. Entwarnung gibt es aber nicht, denn Experten erwarten, dass die Eruptionen in den kommenden Monaten noch zunehmen.

Ein Sonnensturm hat am Wochenende die Erde erreicht - aber zumindest vorerst keine nennenswerten Schäden angerichtet. Bis Sonntagmittag gab es keine Berichte über beschädigte Satelliten oder ausgefallene Handy- und Funkverbindungen. Die Hauptfront des Sturms, der am Donnerstag auf der Sonne ausgebrochen war, traf nach Angaben von US-Astronomen am Samstagabend die Erdatmosphäre. "Geringe geomagnetische Sturmaktivitäten treten jetzt auf", teilten Experten der US-Wetterbehörde NOAA mit. Der Sturm habe die Stärke eins der bis fünf reichenden Skala gehabt. Die schwächste Einstufung erfolgt, wenn das magnetische Feld des Sonnensturms bei seinem Eintreffen so ausgerichtet ist, dass Schäden auf der Erde minimal blieben.

X1.4 class flare erupting from the center of the sun

Eine Aufnahme der Nasa zeigt den Ausbruch eines Sonnensturms.

(Foto: dpa)

Entwarnung gaben die Astronomen allerdings noch nicht: Die Aktivitäten könnten sich noch steigern und die Stärke zwei erreichen. Satelliten wurden durch das kosmische Ereignis nicht beschädigt, sagte Juha-Pekka Luntama, ein Wissenschaftler der europäischen Weltraumagentur Esa.

Starke Sonnenstürme können Stromnetze und Handy-Verbindungen sowie den Funkverkehr für Flugzeuge stören. Für Passagiere in Langstreckenflügen kann sich in Extremfällen eine erhöhte Strahlenbelastung ergeben. Für Menschen auf dem Erdboden ist das Phänomen nicht gefährlich. Die Sonnenstürme werden häufig von Polarleuchten begleitet. "So ein Phänomen dauert ein paar Tage und bringt das Magnetfeld mächtig in Schwingung", sagte Markus Landgraf vom Esa-Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt.

Höhepunkt im Mai 2013

Sonnenstürme entstehen, wenn die Sonne große Wolken elektrisch geladener Teilchen ins All schleudert und diese die Erde treffen. Die Sonnenaktivität schwankt dabei im Rhythmus von etwa elf Jahren und steigt seit 2010 wieder an. Experten erwarten, dass die Eruptionen in den nächsten Monaten noch zunehmen - im Mai 2013 soll es die stärkste Aktivität geben.

Die Experten der Esa und ihre US-Kollegen bei der NOAA und der Nasa waren sich bei der Einschätzung der zu erwartenden Sonnensturm-Stärke in den vergangenen Tagen nicht ganz einig. Die NOAA prognostizierte Stärke zwei auf der Skala, also keinen sehr starken Sturm. Esa-Experte Luntama wies darauf hin, dass der Sonnenausbruch vom vergangenen Donnerstag aus Sicht und Erfahrung von Astronomen durchaus alle Voraussetzungen dazu hatte, zu einem starken Ereignis zu werden. Erst später habe sich gezeigt, dass der Teilchenstrom doch nicht so schnell unterwegs war wie zunächst gedacht.

Sonnenstürme hat es in der Erdgeschichte immer schon gegeben, aber erst die zunehmend technisierte Zivilisation wird anfällig dafür. Schäden durch Sonnenausbrüche sind schon von Beginn des elektrischen Zeitalters an belegt. Ein besonders starker Sonnensturm hatte etwa am 1. und 2. September 1859 die gerade eingeführten Telegrafenleitungen unterbrochen, Feuer in Telegrafenstationen entfacht und Polarlichter erzeugt, die noch in Rom und Havanna sichtbar waren. Die Nasa berichtete von Störungen des Telefonnetzes im US-Bundesstaat Illinois durch einen Sonnensturm 1972 und von Stromausfällen in der kanadischen Provinz Quebec 1989.