Süddeutsche Zeitung

Astronomie:Ringe im All

Wie ein Schwarzes Loch in der Milchstraße eine erstaunliche Illusion produziert hat.

Von Marlene Weiß

Ein kosmisches Fadenkreuz? Eine halb fertige Dart-Scheibe? Ein Verkehrsschild im All? Ein nun von der Nasa veröffentlichtes Bild, das sich aus Aufnahmen des satellitengestützten Röntgenteleskops Chandra und optischen Hintergrundaufnahmen des Pan-Starrs-Teleskops auf Hawaii zusammensetzt, weckt viele Assoziationen. Tatsächlich aber ist es nichts als eine Illusion.

Im Zentrum des Bilds - nicht sichtbar - befindet sich ein Schwarzes Loch, dessen Masse auf einem Punkt konzentriert ist, sodass die starke Gravitation nicht einmal mehr das Licht entkommen lässt. Gemeinsam mit einem Begleitstern bildet dieses Objekt von rund neun Sonnenmassen das System V404 Cygni, etwa 7800 Lichtjahre von der Erde entfernt. Im Juni 2015 fing das Weltraum-Observatorium Swift einen heftigen Röntgenstrahlenausbruch aus dem System auf. Das Schwarze Loch saugt Materie aus dem Begleitstern an; bevor diese in den kosmischen Abgrund fällt, kann sie solche Strahlungsausbrüche erzeugen.

Daraufhin wurde auch das Chandra-Observatorium auf die Quelle gerichtet, vorsichtshalber so, dass ein weiterer Ausbruch die empfindlichen Instrumente nicht gefährden würde. Was Chandras Sensoren dann aufzeichneten, waren acht konzentrische Röntgenstrahlen-Ringe. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Licht-Echo: Auf dem Weg durchs All zur Erde traf die Strahlung aus V404 Cygni auf mehrere kosmische Staubwolken, die das Röntgenlicht ablenkten. So wirkt es, als hingen da leuchtende Ringe im All - dabei geht die Strahlung in Wirklichkeit von einer punktförmigen Quelle aus.

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