Geplantes Teleskop auf Hawaii:Nicht auf unserem Berg

Lesezeit: 3 min

Geplantes Teleskop auf Hawaii: So soll das Riesenteleskop auf dem Gipfel des Mauna Kea aussehen - wenn es denn gebaut wird.

So soll das Riesenteleskop auf dem Gipfel des Mauna Kea aussehen - wenn es denn gebaut wird.

(Foto: AP)

Auf Hawaii soll das größte Teleskop der Welt entstehen. Doch die Ureinwohner fürchten um die Unversehrtheit von Mauna Kea, dem heiligsten Berg des Inselreichs. Sie laufen Sturm.

Von Philipp Hummel

Obwohl ihre Hände mit Kabelbindern gefesselt sind, hören sie nicht auf zu singen. Es liegt eine andächtige Stimmung über dem Gipfel des Mauna Kea, dem höchsten Berg Hawaiis, als dort im April 31 Demonstranten von der Polizei festgenommen werden. Gemeinsam mit 270 Mitstreitern hatten sie versucht, den Weiterbau eines Riesenteleskops zu verhindern, das hier in 4200 Metern Höhe entsteht.

Wenn es nach einem internationalen Team von Astronomen geht, wird das Thirty-Meter Telescope (TMT) von 2022 an tief ins Weltall blicken. Das 1,4 Milliarden Dollar teure Gerät wäre das größte Teleskop der Welt. Es soll die Entstehung von Galaxien beobachten, nach Planeten außerhalb des Sonnensystems suchen und das Geheimnis der Dunklen Materie lüften. Doch ob es je fertig wird, ist fraglich. Eine Koalition aus Ureinwohnern, Umweltschützern und Internetaktivisten läuft Sturm gegen das Prestigeprojekt.

Der heiligste aller heiligen Berge

Mauna Kea bedeutet "weißer Berg". Der Gipfel des schlafenden Vulkans ist im Winter von Schnee bedeckt. Die Luft dort oben ist klar und trocken, die Wolken hängen im Tal. Ein idealer Ort, um die Sterne zu beobachten. Folglich fiel die Wahl auf diesen Berg, als Astronomen nach einem Standort für das TMT suchten. Auf dem Mauna Kea stehen bereits zwölf andere Teleskope, der Berg gilt als idealer Aussichtspunkt für Astronomen.

Gleichzeitig aber ist er eine Kultstätte der hawaiischen Kultur. Für die indigene Bevölkerung stellt er den heiligsten ihrer heiligen Berge dar. Der Himmelsvater der Hawaiianer Wākea hat mit der Erdmutter Papahānaumoku die hawaiischen Inseln gezeugt. Und Mauna Kea war ihr erstgeborener Sohn, so will es die Überlieferung. Auf dem Berg befinden sich traditionelle Schreine, Altare und Grabstätten.

Diese könnten durch den Bau des TMT Schaden nehmen, fürchten die Nachkommen der Ureinwohner. Sie sind nicht die Einzigen, die gegen den Bau protestieren. Umweltschützer sehen das Ökosystem des Bergs bedroht, seltene Vogelarten und Käfer leben an den Hängen. Zuletzt griff sogar eine der Anonymous-Bewegung nahestehende Hacker-Gruppe die Website des Projekts an und legte sie für Stunden lahm.

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