Astronomie Ist Oumuamua doch ein Komet?

  • Astronomen hielten das "Oumuamua" getaufte Objekt (hawaiianisch für Kundschafter) zunächst für einen Asteroiden aus einem anderen Sternensystem.
  • Forscher haben nun Unregelmäßigkeiten der Bahn des seltsamen Objekts untersucht und vermuten, es könnte ein ungewöhnlicher Komet sein.
  • Mittlerweile ist das rätselhafte Objekt auf dem Weg durch das Sonnensystem zurück in den interstellaren Raum und außerhalb der Reichweite von irdischen Teleskopen.

Ein seltsamer, zigarrenförmiger Himmelskörper, der im Oktober vergangenen Jahres durch das innere Sonnensystem flog, gibt Astronomen weiterhin Rätsel auf. Sie hielten das ʻOumuamua getaufte Objekt (hawaiianisch für Kundschafter) zunächst für einen Asteroiden aus einem anderen Sternensystem. Nun argumentieren Experten, dass es sich um einen - wenn auch ungewöhnlichen - Kometen handeln könnte. Das schließen die Himmelsforscher aus Unregelmäßigkeiten der Bahn des seltsamen Objekts, die mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile gemessen wurden.

Die leichten Abweichungen könnten daher kommen, dass Oumuamua Gas ausstößt, welches dem gut 400 Meter langen Objekt Schub verleiht - ähnlich winzigen Raketentriebwerken. Solche Ausgasungen kennt man von klassischen Kometen. Sie rühren mitunter daher, dass Wassereis oder andere gefrorene Stoffe in der Nähe der Sonne aufgeheizt werden und als Dampf aus der Oberfläche austreten. Das führt bei Kometen zu dem charakteristischen Schweif.

Dass auch der kosmische Nomade Oumuamua Gas ausstoßen könnte, schließen Wissenschaftler um Marco Micheli vom Koordinationszentrum erdnahe Objekte (NEOCC) der europäischen Raumfahrtagentur Esa im italienischen Frascati aus genauen Analysen der Flugbahn. Die Form der Bahn lasse sich nicht allein durch die Schwerkraft erklären, erläutern sie im Fachblatt Nature. "Wir denken, er ist in Wirklichkeit ein winziger, seltsamer Komet", erklärte Micheli.

"Die wahre Natur dieses Nomaden mag ein Rätsel bleiben"

"Wir können aus den Daten erkennen, dass sein Schub umso geringer wird, je weiter er von der Sonne entfernt ist, was typisch für Kometen ist." Allerdings konnten die Astronomen keine Ausgasungen direkt messen und auch keinen Schweif beobachten, wie ihn klassische Kometen erzeugen. Eine Vermutung ist, dass Oumuamua ungewöhnlich große Staubpartikel abgesondert hat, weshalb der Schweif nicht sichtbar war. Aber an dieser Stelle können auch die Astronomen derzeit nur spekulieren. "Die wahre Natur dieses rätselhaften interstellaren Nomaden mag ein Rätsel bleiben", sagt ESO-Astronom Olivier Hainaut.

Oumuamua flog 2017 durch das innere Sonnensystem. Wenige Tage nach seinem ersten Auftauchen stuften Experten das langgezogene Objekt als interstellaren Asteroiden ein - also als kosmischen Vagabunden aus Gestein, der im Gegensatz zu Kometen in der Regel praktisch kein Material ausstößt. Aufgrund seiner Reflexionen vermutete man sogar, dass er Metalle enthalten könnte. Mittlerweile ist das rätselhafte Objekt auf dem Weg durch das Sonnensystem zurück in den interstellaren Raum und außerhalb der Reichweite von irdischen Teleskopen. Es handelte sich um den ersten beobachteten Besucher aus einem anderen Sonnensystem. Astronomen halten allerdings für möglich, dass solche Vorbeiflüge häufiger vorkommen und unbemerkt bleiben.

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