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Astronomie:Exoplaneten-Fund schürt Spekulationen über außerirdisches Leben

Forscher entdecken sieben erdähnliche Planeten - und wecken die Hoffnung, Nachbarn im Weltall zu finden. Ist es bald soweit? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was genau haben die Forscher entdeckt?

Das Team um den Belgier Michaël Gillon von der Universität Liège hat mit einer akribischen Suche bei einem Roten Zwergstern in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems die Signale von insgesamt sieben ungefähr erdgroßen Planeten aufgespürt. Es ist nicht das erste entdeckte System mit sieben um den Zwergstern Trappist-1 kreisenden Planeten, aber das System mit den meisten Gesteinsplaneten, das wir bislang kennen. Alle sieben Neuentdeckungen um den seit längerem bekannten Trappist-1 könnten nach Meinung der Forscher in irgendeiner Form flüssiges Wasser besitzen, drei liegen in der sogenannten bewohnbaren Zone des Zwergsterns.

Was ist die bewohnbare Zone?

Als bewohnbare Zone bezeichnen Astronomen jenen Bereich um einen Stern, in dem die Temperaturen die dauerhafte, großräumige Existenz von flüssigem Wasser erlauben. Dabei wird in der Regel der Treibhauseffekt einer potenziellen Atmosphäre mit einbezogen. Ob die Planeten von Trappist-1 eine Atmosphäre haben, wissen ihre Entdecker allerdings noch nicht.

Haben die Forscher flüssiges Wasser auf den Planeten von Trappist-1 entdeckt?

Nein, danach haben sie allerdings auch nicht gesucht. Sie haben lediglich die Existenz der Planeten selbst entdeckt - ohne die Planeten direkt gesehen zu haben. Die Forscher beobachteten, dass der Stern Trappist-1 sehr regelmäßig kleine Schwankungen in der Helligkeit erfährt. Diese Schwankungen entstehen, wenn die sieben Planeten auf ihren Umlaufbahnen von der Erde aus gesehen vor dem Stern vorbeiwandern und so ein kleines Stück von ihm abschatten. Diesen Effekt kann man sehr genau messen und daraus die Größe des jeweiligen Planeten bestimmen. Solche Exoplaneten lassen sich nur entdecken, wenn zufällig von der Erde genau auf die Kante eines solchen Systems geblickt wird. Sonst laufen die Planeten - aus unserem Blickwinkel - nicht vor ihrem Stern vorbei.

Was bedeutet die Entdeckung der Planeten für die Suche nach außerirdischem Leben?

"Mehrere Planeten in der bewohnbaren Zone eines Sterns zu finden, ist eine großartige Entdeckung, denn es bedeutet, dass es noch mehr potenziell bewohnbare Planeten pro Stern geben kann, als wir gedacht haben. Und mehr Gesteinsplaneten in der bewohnbaren Zone zu finden, erhöht definitiv unsere Chancen, Leben zu entdecken", erläutert Lisa Kaltenegger, die Exoplaneten-Expertin und Direktorin des Carl-Sagan-Instituts an der Cornell-Universität in den USA, in einer Stellungnahme zu der Entdeckung.

"Trappist-1 hält jetzt den Rekord für die meisten Gesteinsplaneten in der bewohnbaren Zone - unser Sonnensystem hat zwei, Erde und Mars. Leben ist definitiv eine Möglichkeit auf diesen Welten, aber es sieht vielleicht anders aus, denn es gibt wahrscheinlich sehr hohe Level ultravioletter Strahlung auf der Oberfläche dieser Planeten."

Wie geht es mit der Untersuchung weiter?

Die Forscher schätzen, dass künftige Teleskope feststellen können, ob und was für Atmosphären die Planeten besitzen. Dazu analysieren die Astronomen, ob und wie das Licht des Sterns durch eine Atmosphäre gefiltert wird, wenn der untersuchte Planet vor dem Stern vorbeiläuft. Beobachtungen der inneren beiden Planeten des Systems mit dem Hubble-Weltraumteleskop haben nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa keine Hinweise auf eine aufgeblähte, wasserstoffreiche Atmosphäre wie etwa beim Planeten Neptun ergeben.

Das stärkt die Annahme, dass es sich bei den Neuentdeckungen um Gesteinsplaneten wie unsere Erde mit vergleichsweise dünnen Lufthüllen handeln könnte. "Atmosphärische Biosignaturen wie Methan, die auf Anpassungen durch Leben hindeuten, könnten mit dem James Webb-Weltraumteleskop zu entdecken sein, das 2018 startet, oder mit dem European Extremely Large Telescope, das 2022 in Betrieb gehen soll", sagt Kaltenegger.

Welche anderen Kandidaten für außerirdisches Leben gibt es?

Die Universität von Puerto Rico pflegt einen Katalog möglicherweise bewohnbarer Exoplaneten. Er listete dabei bereits 44 Kandidaten bei verschiedenen Sternen auf, ohne das Trappist-1-System. Die Universität vergibt einen Index für Erdähnlichkeit. Er wird bislang angeführt von dem bei Proxima Centauri entdeckten Exoplaneten, der auf 87 Prozent Erdähnlichkeit kommt. Er ist mit einem Abstand von nur vier Lichtjahren zugleich der nächste potenziell bewohnbare Exoplanet. Das Trappist-1-System liegt zehnmal so weit entfernt - gehört damit aber immer noch zu unserer kosmischen Nachbarschaft.

Daneben gibt es auch in unserem eigenen Sonnensystem möglicherweise Chancen, außerirdisches Leben zu finden. So suchen verschiedene Marsmissionen nach Lebensspuren auf dem Roten Planeten, und Astronomen vermuten bei mehreren großen Monden von Jupiter und Saturn sowie auf dem Zwergplaneten Ceres unterirdische Ozeane unter deren Eispanzern, in denen sich Leben entwickelt haben könnte.

© SZ.de/dpa/fehu/stein
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