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Astronomie:Drei erdähnliche Planeten entdeckt

Eiswüste oder Ozean?

(Foto: Kornmesser/ESO)

Das Sternsystem Trappist-1 wurde offenbar unterschätzt. Mindestens einer von drei Planeten, die einen kalten Zwergstern umkreisen, könnte für Leben geeignet sein.

Es ist eine düstere Welt, die Wissenschaftler um Michaël Gillon von der Universität Liège in Belgien im Fachblatt Nature beschreiben. Ein kalter, matter Zwergstern, nur 40 Lichtjahre von der Erde entfernt, der ein rötliches Dämmerlicht verbreitet. Dazu drei Planeten, etwa so groß wie die Erde: Zwei sehr heiße, die ihr Gestirn innerhalb von wenigen Tagen umrunden; und ein kühlerer etwas weiter weg, der dafür womöglich mehrere Monate braucht.

Forscher sind dennoch ziemlich begeistert über die Entdeckung dieses Systems, Trappist-1 genannt nach dem Teleskop, mit dem es beobachtet wurde. Denn zumindest der äußere Planet könnte gerade noch genug Strahlung abbekommen, um eventuell Leben zu ermöglichen - das hätte man sogenannten ultrakalten Zwergen wie Trappist-1 bislang gar nicht zugetraut. "Bisher wurde allgemein angenommen, dass sie nur sehr kleine Planeten bilden, die für die Entstehung von Leben ungünstig sind", sagt Leitautor Gillon.

Der Planet dreht sich so, dass stets die gleiche Seite beleuchtet wird

Auch könnte der Planet besonders geeignet für weitere Messungen sein, weil seine matte Sonne nicht alles überstrahlt. Schon Daten des Hubble-Teleskops sollten die Art der Atmosphäre eingrenzen, schreiben die Forscher. Das James-Webb-Weltraumteleskop, dessen Start 2018 geplant ist, soll dann sogar zeigen, welche Temperaturen auf dem Planeten herrschen und ob es dort wohl Wasser, CO₂, Methan oder Ozon gibt. Das allerdings findet Markus Feldt vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg nicht so beeindruckend: Sicher sei es spannend, dass auch Objekte wie Trappist-1 Planeten von Erdgröße hätten. Aber Anzeichen für Leben, falls es sie denn gäbe, ließen sich im Prinzip auch in anderen Systemen nachweisen.

Der äußere Planet, den die Forscher Trappist-1d nennen, dreht sich ähnlich wie der Mond mit jeder Umrundung einmal um seine Achse, so dass immer die gleiche Hemisphäre beleuchtet wird. Dennoch meinen die Forscher um Michaël Gillon, dass selbst auf der kühlen Nachtseite flüssiges Wasser möglich wäre. Denkbar wäre auch ein riesiger Ozean, oder ein komplett gefrorener Planet; man weiß es nicht. "Aber das Gute ist: Wir werden es messen können, und dann wissen wir es", sagt Gillon.

© SZ vom 03.05.2016

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