Astronomie Das fliegende Auge

Durch ein riesiges Loch im Rumpf einer Boeing 747 wollen deutsche und amerikanische Astrophysiker den Blick in den Himmel richten - mit Hilfe des Teleskops Sofia.

Von A. Stirn

Wer ein riesiges Loch in einen Jumbo-Jet schneidet, muss nicht unbedingt zerstörerische Absichten haben. Vor kurzem hat sich eine Gruppe Astrophysiker zu diesem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. Der freie Blick aus dem offenen Rumpf einer Boeing 747 soll neue, ungeahnte Einsichten in den Himmel ermöglichen.

Mitte Mai soll Sofia zu ihrer ersten Mission aufbrechen.

(Foto: Foto: Nasa)

Sofia nennen Physiker das "Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie". Das von deutschen und amerikanischen Forschern entwickelte Teleskop ist das größte, das je an Bord eines Flugzeugs abgehoben ist.

Montiert auf halbem Weg zwischen Tragfläche und Leitwerk, soll es Erkenntnisse über die Geburt von Sternen liefern. Zurzeit wird Sofia in der kalifornischen Mojave-Wüste auf die erste wissenschaftliche Mission vorbereitet.

Fast wie in einer Schatzkammer

Ulrich Lampater, Teleskopingenieur beim Deutschen Sofia-Institut, klettert die schmale Leiter in den ehemaligen Frachtraum hinunter. Es ist eng und stickig. Die Wände sind mit schwarzem Tuch ausgekleidet, nur ein schwaches Licht erhellt das Dunkel. Es ist fast wie in einer Schatzkammer.

Lampaters Kronjuwel ist 2,7 Meter groß und wiegt 880 Kilogramm, ein glatt polierter, mit Aluminium beschichteter Teleskopspiegel. Zusammen mit seiner drehbaren Haltestruktur aus Kohlefaser nimmt er fast den gesamten Platz im Rumpf des Jumbos ein.

Eine Rolltür soll den Spiegel bei Start und Landung schützen. Nur in der Luft wird sie geöffnet - und bei der Wartung im kalifornischen Hangar. Zwei Techniker der US-Raumfahrtbehörde Nasa wuchten die Tür vor den Augen des deutschen Astrophysikers Holger Jakob hoch.

"Wir wollen damit infrarote Strahlung einfangen"

Durch den Spalt zeichnen sich Umrisse des Spiegels ab. "Auch wenn er aussieht wie ein optisches Teleskop - wir wollen damit infrarote Strahlung einfangen", sagt Jakob, also Wärmebilder aus dem Weltall.

Solche Aufnahmen sind bei Astronomen begehrt, sie erzählen viel über das Universum. "Infrarote Strahlung durchdringt die dichten Staubwolken, hinter denen neue Sterne entstehen", sagt Jakob.

Das erlaubt den Blick in stellare Kinderstuben, der mit optischen Teleskopen nicht zugänglich ist. Gleichzeitig hilft Infrarotes Licht, die Moleküle zu identifizieren, die in solchen Gas- und Staubwolken vorkommen. "Mit Sofia werden wir viel über die Chemie und die Geschichte dieser Wolken lernen", sagt Jakob.