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Weltraum:Großer Asteroid rast an der Erde vorbei

Zum Zusammenstoß wird es nicht kommen, aber Astronomen staunen über die Ausmaße von "1998 OR2", der heute Mittag an der Erde vorbeizieht.

Seit 22 Jahren haben Astronomen den Himmelskörper im Blick. Heute Mittag saust er an der Erde vorbei. "1998 OR2" heißt der Brocken. Es ist ein Asteroid, wie es viele gibt im Sonnensystem. Doch selten kommt eine dieser Miniaturversionen eines Planeten der Erde so nah wie heute, zumindest gemessen an seiner Größe. Zirka zwei mal vier Kilometer misst der ovale Asteroid, ein Zusammenstoß mit unserem Planeten hätte katastrophale Folgen. Doch der Crash bleibt aus, 1998 OR2 wird in gut sechs Millionen Kilometer Abstand an uns vorbeiziehen, der 16-fachen Distanz zwischen Erde und Mond.

Rund 8000 vagabundierende, teils als "potenziell gefährlich" eingestufte Himmelskörper mit mehr als 140 Meter Größe haben Astronomen im Blick, insbesondere das Center for Near Earth Object Studies der Nasa. Von den meisten dieser Objekte sind die Bahnen so genau bekannt, dass die Experten Entwarnung geben können. So wie 1998 OR2 werden die bisher bekannten, meist kartoffelförmigen Asteroiden an der Erde vorbeisausen. Gleichzeitig vermuten die Astronomen, dass es noch Tausende unentdeckte Asteroiden gibt, die den erdnahen Weltraum (in 50 Millionen Kilometer Umkreis) und im schlimmsten Fall eines Tages die Erdbahn selbst kreuzen könnten.

Was ein kleinerer Asteroid anrichten kann, zeigte sich 2013 in Russland

Kleinere Brocken mit wenigen Dutzend Meter Meter Umkreis sind sogar noch viel häufiger. Auch diese können beträchtlichen Schaden auf der Erde anrichten, wenn sie als Meteoriten einschlagen. Das zeigte sich zum Beispiel 2013 im russischen Tscheljabinsk, als ein 60-Meter-Asteroid über der Stadt niederging und 1200 Menschen unter anderem von berstenden Fensterscheiben verwundet wurden. Asteroiden dieser Größe haben die Astronomen bei weitem nicht alle im Blick. Immer wieder kommt es vor, dass die Himmelsforscher von einem knappen Vorbeiflug an der Erde überrascht werden.

Von 1998 OR2 hat das Radioteleskop im Puertoricanischen Arecibo bereits vor einiger Zeit Aufnahmen gemacht. Sie ähneln medizinischen Ultraschallbildern und zeigen unter anderem, dass der Brocken alle 4,1 Stunden um sich selbst rotiert. Aus genauen Messungen schließen die Astronomen zudem, dass 1998 OR2 mindestens bis zum Jahr 2197 die Erde nicht treffen wird. Beim Vorbeiflog heute Mittag um 12 Uhr deutscher Zeit wollen Himmelsforscher genau hinsehen, um mehr über Asteroiden und ihre Flugbahnen zu lernen. Im Internet bieten öffentliche Observatorien an, den Vorbeiflug von 1998 OR2 live zu verfolgen.

© SZ.de/cvei
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