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Artenvielfalt:Tasmanischer Teufel vor dem Ende

Innerhalb der nächsten 25 Jahre wird der Beutelteufel ausgestorben sein - wenn es nicht gelingt, die Seuche einzudämmen, an der immer mehr Tiere eingehen. Der Versuch, die Population durch die Tötung infizierter Tiere zu retten, ist gescheitert. Doch vielleicht gibt es noch eine letzte Chance für den Tasmanischen Teufel.

Markus C. Schulte von Drach

Es sieht nicht gut aus für den Tasmanischen Teufel: Noch 25 Jahre geben Wissenschaftler ihm, dann wird das Beuteltier ausgestorben sein - sollte es nicht gelingen, eine tödliche Seuche einzudämmen, die unter den Tiere grassiert.

Tasmanischer Teufel

Wenn es gelingt, Tasmanische Teufel wie diesen im Zoo aufzuziehen, könnte man eine Art Ersatzpopulation züchten, um die Tiere in der Natur zu ersetzen, glauben Wissenschaftler. Für die natürliche Population gibt es offenbar keine große Hoffnung mehr.

(Foto: Stephan C. Schuster, Penn State University)

Diesmal also ist offenbar nicht der Mensch daran schuld, dass eine Art verschwindet, sondern eine Krankheit, die zum ersten Mal 1996 bei Tieren in Mount William im Nordosten Tasmaniens beobachtet wurde: Die DFTD (Devils Facial Tumour Desease).

Dabei handelt es sich um eine übertragbare Krebserkrankung im Gesicht der Beuteltiere. Die Teufel infizieren sich durch Bisse bei Kämpfen um Nahrung oder bei der Paarung. Was die Tumoren letztlich auslöst, ist noch unklar. Die Geschwüre im Gesicht werden so groß, dass sie die Tiere bei der Nahrungsaufnahme stören, bis diese schließlich verhungern.

Seit dem Ausbruch der DFTD ist die Population der Beutelteufel auf der Insel vor Australien um deutlich mehr als die Hälfte zurückgegangen. In manchen Regionen, so warnt das von der australischen und der tasmanischen Regierung initiierte Programm "Save the Tasmanian Devil", ist die Zahl der Sichtungen im vergangenen Jahr um mehr als 90 Prozent zurückgegangen.

Bislang sei es nicht gelungen, die DFTD durch das gezielte Erlegen infizierter Tiere so einzudämmen, dass die Population gerettet werden könnte, erklären die Forscher Nick Beeton von der University of Tasmania und Hamish McCallum von der Griffith University in Brisbane. Mit dieser Strategie hatten Wissenschaftler zum Beispiel zwischen 2004 und 2010 auf der Forestier Peninsula, einer weitgehend isolierten Halbinsel im Südosten Tasmaniens, versucht, die Seuche einzudämmen - ohne Erfolg.

Modellrechnungen von Beeton und McCallum bestätigen nun, dass diese Methode aufgegeben werden sollte. Ihre Ergebnisse unterstützen die Empfehlung von "Save the Tasmanian Devil", die Tötungen aufzugeben.

"Die Eindämmung der Seuche kann nur funktionieren, wenn man genügend infizierte Tiere aus der Population einfangen kann, um sicherzustellen, dass die Seuche nicht wieder an Kraft gewinnt", sagte Beeton. "Unsere Modelle zeigen, dass es sogar bei einem Tier wie dem Tasmanischen Teufel, das sich fangen lässt, sehr viel verlangt ist, genügend zu kriegen, um die Seuche auszurotten".

Statt der gezielten Tötung infizierter Beutelteufel sollte versucht werden, eine gesunde Ersatzpopulation aufzubauen und die Tiere auszuwildern, empfehlen die Forscher im Journal of Applied Ecology (online). 200 Beutelteufel leben bereits in Zoos in Tasmanien. Auch arbeiten einige Wissenschaftler an einem Impfstoff gegen die DFTD. "Angesichts der langsamen Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Krebs bei Menschen - und das trotz der riesigen Investitionen in die Forschung -, ist es sehr optimistisch, auf einen solchen Stoff für den Kampf gegen DFTD zu hoffen", erklärt McCallum says.

Ein dritter Weg könnte der Versuch sein, gezielt Beutelteufel zu züchten, die über eine natürliche Resistenz gegen die Krankheit verfügen. Solche Tiere könnten im Nordwesten Tasmaniens vorkommen, wo sich die Seuche langsamer ausbreitet.

(Quelle: Journal of Applied Ecology, doi: 10.1111/j.1365-2664.2011.02060.x)

© sueddeutsche.de/dpa/leja
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