Artenvielfalt:Sumatra-Tiger von Hundevirus bedroht

Sumatra-Tiger

Sumatra-Tiger im Ragunan Zoo in Jakarta - in freier Wildbahn sind manche der Großkatzen an Staupe erkrankt

(Foto: dpa)

Der Sumatra-Tiger gehört zu den seltensten Großkatzen der Welt - es gibt vermutlich nicht mehr als 700 Exemplare. Nun beobachten Wissenschaftler bei den vom Aussterben bedrohten Tieren auf der Insel Sumatra Fälle von Staupe.

Von Christina Berndt

Hund und Katz sind bekanntermaßen nur selten beste Freunde. In Indonesien aber bedrohen Hunde derzeit sogar eine ganze Art von Großkatzen. Die dort lebenden Tiger könnten einem Staupevirus zum Opfer fallen, das von domestizierten Hunden übertragen wird, befürchtet die Organisation Wildlife Vets International.

Bereits heute gehören Sumatra-Tiger zu den seltensten Großkatzen der Welt, von denen Schätzungen zufolge nicht mehr als 700 Exemplare leben. Bislang habe es unter ihnen wohl nur einzelne Fälle von Staupe gegeben, sagte John Lewis, Direktor von Wildlife Vets International, der britischen BBC. Doch eine Ausbreitung des Virus wäre fatal: "Die großen Bedrohungen für Tiger waren bisher der Verlust ihres Lebensraums und Wilderei, aber jetzt scheint Krankheit dazuzukommen", so Lewis.

Wenn sich die Tiere das Staupevirus einmal eingefangen haben, kann ihnen nicht mehr geholfen werden. Die Viren machen ihre Opfer zunächst schlapp und fiebrig, führen dann zu Atemwegsproblemen oder Durchfall und können am Ende das Gehirn schädigen. Viele Tiger verenden dann. Nur einzelne Tiere scheinen einen Immunschutz gegen die Krankheit zu entwickeln.

Früher befielen Hundestaupeviren nur Hunde, doch sie infizieren mehr und mehr Arten. "Im Laufe der Jahre hat sich das Virus fortentwickelt, so dass es heute auch Seehunde und Großkatzen befällt", so Lewis. So gilt Hundestaupe auch als mögliche Ursache für den Niedergang des Beutelwolfs, eines auf dem Hinterleib gestreiften großen Beuteltiers, das seit 1936 als ausgestorben gilt.

Mitte der 1990er-Jahre starb zudem in der Serengeti etwa ein Drittel aller Löwen an Staupe, die sich die Tiere offenbar von Hunden aus den umliegenden Dörfern zugezogen hatten. Auch Tiger sind nicht zum ersten Mal bedroht. Seit dem Jahr 2000 fallen in Sibirien immer mal wieder Tiger auf, die sich merkwürdig verhalten und in Ortschaften kommen, ohne Angst vor Menschen zu zeigen. Bei manchen erlegten Exemplaren fanden Experten schließlich in dem Staupevirus den Grund dafür.

© SZ vom 11.06.2013/mcs
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