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Artensterben:Artenschwund in atemberaubender Geschwindigkeit

Große Beutegreifer wie Bär, Luchs und Wolf sowie etliche Greifvogelarten sind in Deutschland einer Jagdpraxis zum Opfer gefallen, die neben dem Menschen keine Konkurrenz duldete. Mittlerweile ist die Jagd hier kein entscheidender Faktor mehr für das Artensterben, allerdings ein forstwirtschaftliches Problem, weil die hohen Wildbestände nicht nur den Erholungswald gefährden, sondern in Berglagen auch die Lawinengefahr verstärken.

Die größte Gefährdung geht nun eindeutig von der intensiv betriebenen Landwirtschaft aus, von überdüngten Wiesen und Feldern und einer ausgeräumten Flur, die vielen Lebewesen weder Schutz noch Nahrung bietet. Manche Vogelarten weichen erfolgreich in die Städte aus, wo der Tisch reichlicher gedeckt ist und in den Parks knorrige, alte Bäume stehen, die in den auf Holzertrag getrimmten Forsten nur mehr selten anzutreffen sind.

Die größten Schätze der Natur aber befinden sich anderswo, in den tropischen Wäldern der Erde, wo ungefähr vier Fünftel aller Arten beheimatet sind. Und diese Pretiosen schwinden in so atemraubender Geschwindigkeit, dass die Verluste in anderen Teilen der Welt fast schon marginal wirken.

Die Gefahren sind so vielfältig wie die Natur, und die Nutznießer des Zerstörungswerks sind nicht jene Kleinbauern, die dem Urwald zur Selbstversorgung ein wenig Anbaufläche abtrotzen, sondern in erster Linie heimische Eliten und die Konsumenten in den Industrieländern.

Sie nutzen die Ernte der Ölpflanzen für Automotoren, kleine Kraftwerke und kosmetische Erzeugnisse. Sie ernähren ihr Mastvieh und die gigantischen Geflügelbestände mit dem Kraftfutter aus Soja und Mais, das in rauen Mengen in Südamerika produziert wird und mehr und mehr den Tropenwald verdrängt. Auch die deutschen Milchkühe, die Mastbullen und die in Rekordzeit zur Schlachtreife gebrachten Schweine weiden quasi in Übersee.

Mit Rodungen zum Anbau von Futtermitteln und Energiepflanzen schwinden nicht nur artenreiche Lebensräume, es schwindet auch ein großer Teil der Biomasse, die das Treibhausgas Kohlendioxid bindet. Der Handel mit Tropenholz aus Südamerika, Südostasien und Zentralafrika kommt erschwerend hinzu.

© SZ vom 19.08.2009/gal

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