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Artensterben im Titicacasee:Es sammeln sich Abwässer von Millionen Menschen

Offiziell steuern die Regierungen von Bolivien und Peru seit 2006 dagegen. Damals unterzeichneten beide Länder ein Memorandum, in dem sie sich zusicherten, den See gemeinsam zu retten. Passiert ist wenig. Der Global Nature Fund kürte den Titicacasse 2012 zum "Bedrohten See des Jahres". Seither hat sich die Lage noch einmal dramatisch verschlechtert. "Das aktuelle Massensterben hat eine ganz neue Qualität", sagt Embert.

Besonders verschmutzt ist die Cohana Bucht in Bolivien. Dort sammeln sich Abwässer der knapp eine Million Einwohner zählenden Trabantenstadt El Alto, die einmal ein Vorort von La Paz war. Heute ist es einer der am schnellsten wachsenden Orte Lateinamerikas - eine Metropole mit dem Abwassersystem eines Provinzstädtchens.

Giftstoffe aus illegal betriebenen Minen

Auf peruanischer Seite ist vor allem die Bucht von Puno betroffen. Dort hat die nationale Wasserbehörde ANA vor einem Jahr ein Studie durchgeführt. Demnach konnten die Forscher in einem Gebiet von 17 Quadratkilometern keinerlei lebende Organismen entdecken. Was sie stattdessen gefunden haben: Arsen, Barium, Cadmium, Kupfer, Eisen, Quecksilber, Mangan, Phosphor, Blei und Zink.

Tausende größtenteils illegal betriebene Minen in der Region leiten ihre vergifteten Abwässer offenbar direkt in einen der 25 Zuflüsse des Sees. Boliviens Umweltministerin Alexandra Moreira sagt: "Was uns am meisten beunruhigt, ist der hohe Grad an Chemikalien. Der Schwefel-Geruch deutet darauf hin, dass sie auch aus Gerberei-Fabriken kommen."

Immerhin: Die Umweltministerin ist beunruhigt. Das ist schon einmal ein Fortschritt. Allmählich scheint sich etwas zu regen in Lima und La Paz. Am 23. Juni treffen sich die Regierungen von Ollanta Humala und Evo Morales zu einer bilateralen Kabinettssitzung. Die Staatschefs haben dafür die Stadt Puno am Titicaca-Ufer ausgesucht. Sie wollen unterstreichen, dass sie das Problem erkannt haben.

Im April versprach Perus Präsident Humala, 470 Millionen Dollar in sechs neue Kläranlagen zu investieren. Wenn alles nach Plan verläuft, könnten sie in vier Jahren ihren Betrieb aufnehmen. Bis dahin wird noch viel Blei in den heiligen See der Inka fließen.

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